Grußwort für den Gemeindebrief Ausgabe  Juni / Juli 2022 

zum Monatsspruch Juli:

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Psalm 42,3

Während einer Reise nach Israel besuchten wir im benachbarten Jordanien das Kulturdenkmal Petra. Eine Wanderung führte uns durch die Ruinenstätte. Es war unglaublich heiß. Im Vorfeld waren wir immer wieder darauf aufmerksam gemacht worden, wie wichtig es war, genug Wasser dabei zu haben, um den Durst stillen zu können. Tatsächlich mussten wir während der Wanderung nicht daran erinnert werden etwas zu trinken, denn der Mund wurde so schnell trocken, dass der Griff zur Wasserflasche automatisch erfolgte. Bei einem kurzen Stopp im Schatten beschäftigte mich der Gedanke: Was wäre, wenn wir kein Wasser hätten? In diesem Moment empfand ich es als besonderes Geschenk, dass mein Durst gestillt werden konnte, weil ich das Mittel dazu griffbereit hatte.

 

Im Monatsspruch für Juli spricht ein Psalmbeter auch von seinem Durst. Es ist ein Durst der Seele. Im hebräischen Urtext wird für das, was hier mit „Seele“ übersetzt wird, der Begriff „näfäsch“ verwendet. „näfäsch“ ist vieldeutig und meint unter anderem die Lebenskraft, die Leben möglich macht. Diese Kraft ist keine Muskelkraft, die man im Fitnessstudio trainieren kann, sondern eine innere Kraft, die uns antreibt und motiviert, den Alltag zu bewältigen. Ihren „Durst“ nehme ich oft nicht so deutlich wahr, wie meinen trockenen Mund in Jordanien. Das Bewusstsein dafür, dass auch unser Inneres versorgt werden muss, fehlt oft. Manchmal fällt erst spät auf, dass wir den Durst der Seele nicht wahrgenommen haben. Es kommt zur anhaltenden Erschöpfung. Die Lebensfreude bleibt auf der Strecke.

Der Psalmbeter kennt einen solchen Zustand und nimmt ihn bewusst wahr: „Meine Seele dürstet. Meine Lebenskraft und benötigt dringend „Wasser“. Mich dürstet nach etwas, was ich mir nicht selbst geben kann. Meine Seele dürstet nach Gott.“ Der Beter weiß, was ihm fehlt. Er kennt den Vorrat, auf den er für seine Seele zurückgreifen kann, so wie ich meinen Wasservorrat auf der Reise kannte.

Wir leben in kräftezehrenden Zeiten. Sowohl die Krisen dieser Welt als auch persönliche Anstrengungen zehren vorhandene Reserven auf „Meine Seele dürstet“. Diese Erkenntnis steht am Anfang. Ohne dieses Bewusstsein kann es passieren, dass wir unsere Grenzen missachten und uns schaden. Der Psalmbeter hat diesen ersten Schritt bereits getan. Er weiß, dass ihm etwas fehlt. Er weiß, was ihm fehlt: „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“

Wir haben einen lebendigen Gott, der uns mit Lebenskraft ausstatten kann. Es ist eine unverfügbare Kraft. Es ist eine Kraft, von der ich nicht weiß, wie sie mir zur Verfügung steht, obwohl ich mich gleichzeitig darauf verlassen kann, dass sie da ist, wenn ich sie brauche. Es ist eine Kraft, die überraschenderweise da Wirkung zeigt, wo ich mich kraftlos und ausgebrannt fühle. Paulus kennt diese Erfahrung, denn er schreibt davon, dass Gott zu ihm sagt: „Meine Kraft zeigt sich besonders da, wo du dich schwach fühlst.“ (2.Kor 12,9)

Die Sommerzeit ist eine Zeit, in der viele „die Seele baumeln lassen“. Ich wünsche Ihnen eine Zeit, in der Sie dabei den Durst der Seele wahrnehmen können. Eine Zeit, um die eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte zu spüren. Eine Zeit, um sich damit an den lebendigen Gott zu wenden. ER ist nur ein Gebet weit entfernt und schenkt uns von Seiner Kraft, was wir benötigen. Er schenkt sie nicht auf Vorrat, sondern er schenkt sie, wenn wir sie brauchen und uns damit an Ihn wenden:

„Meine Seele dürstet nach dir, Gott. Stille du diesen Durst.“

 

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Susanne Scherer

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