Gottesdienste 2020

DAS GEMEINDEBÜRO ist  jeden Donnerstag von 10:00 bis 12:00 Uhr geöffnet.

 

Wir bitten aktuell nur in dringenden Angelegenheiten persönlich zu kommen. Bitte nutzen Sie möglichst nur das Telefon.

Herzliche Einladung zur Hausabendmahlsfeier

 

Die Menschen, die in unserer Gemeinde Bischoffen nicht mehr an der gottesdienstlichen Abendmahlsfeier teilnehmen können, sind herzlich eingeladen sich im Gemeindebüro (Tel. 06444-522) zu melden, wenn sie das Hausabendmahl feiern wollen. Wir freuen uns auf ihren Anruf!

 

Gottesdiensttermine

 Aufgrund der Corona Epidemie fallen bis auf weiteres alle Veranstaltungen aus.

 

Das betrifft auch die Gottesdienste. Besonders an Ostern fällt das schwer. Der Ernst der Lage lässt uns hier keine andere Wahl.

 

 

 

 

 

 

Lasst uns gemeinsam
– jeder in seinen vier Wänden –
Gottesdienst feiern:

 

 

 

Diesen Text stellen wir auf unserer Gemeinde Internetseite unter


www.kirchengemeinde-bischoffen.de

bereit. Woche für Woche wollen wir so einen Gottesdienst zum Feiern in den eigenen vier Wänden zur Verfügung stellen.


 

 

Ich grüße Sie aus meinem Arbeitszimmer, zuhause in Gladenbach. Seit mehr als 7 Wochen ist dies nun mein Hauptarbeitsplatz. Alles ist anders geworden, ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in diesen Wochen schon gehört habe. Ja, es ist alles anders. Eigentlich würden wir morgen und am kommenden Sonntag in Wilsbach und Bischoffen Konfirmation feiern. 11 Jugendliche und ihre Familien haben sich darauf seit Januar letzten Jahres gefreut, haben geplant und ihre Gäste eingeladen, haben sich Worte aus der Bibel gesucht, die ihnen wichtig sind und die sie begleiten sollen. Ja, sie haben sich auf die Konfirmation gefreut. Anfang März, als der Corona-Virus begann unser Leben zu beeinflussen, mussten wir den Termin absagen. Ein neuer ist aber durch die unklare Situation immer noch nicht wieder festgelegt worden. Noch ist alles offen, unklar.

 

Alles unklar, das war oft die Antwort, wenn man in den letzten Wochen mit Kollegen sprach, wie es wohl mit den Gottesdiensten weitergehen würde. Der Shutdown, der nicht nur über unser Land, sondern über die Welt gelegt wurde, hat alles öffentliche Leben zum erliegen gebracht. Mit einem Schlag wurden so z.B. meine Termine in meinem Terminkalender gestrichen auf unbestimmte Zeit. Es war, als hätte jemand mit einem großen Radiergummi alle Blätter wieder weiß gemacht.

 

Ja, fast so habe ich mich gefühlt, wie ein weißes Blatt Papier, ohne Termine, zuhause bleibend, zurückgeworfen auf mich selbst. Es war noch nicht mal wie Urlaub, denn im Urlaub, da unternimmt man etwas mit der Familie, da ist man aktiv unterwegs. Aber auch das war nicht möglich. Wir bleiben zuhause, so lautete das Motto.

 

Gleichzeitig die Unsicherheit, wie das mit dem Virus wohl ist. Reicht es aus, zuhause zu bleiben, um sich nicht anzustecken? Wie ist das mit dem Schutz? Gerne hätte ich mir einen Hut aufgesetzt, und wäre für das Virus unsichtbar geworden. Wie gerne hätte ich mit einem solchen Schutz über mir mein gewohntes Leben weitergelebt. Wie gerne meine Eltern besucht, nur 30 Km entfernt oder die Tochter auf der Nordseeinsel Wangerooge, wie gerne hätte ich Gottesdienste gefeiert von Auge zu Auge oder bei Beerdigungen mit vielen Menschen zusammen Abschied genommen, damit die Familien spüren würden, sie werden von vielen getragen. Wie schön wäre es in unserem neu umgebauten Kindergarten Wichernzwerge beim Erzählen biblischer Geschichten mit den Kindergartenkindern gewesen. Oder im Frauenkreis bei einem guten Kaffee. Wie gerne wäre ich auch im Altenheim bei den vielen vertrauten Gesichtern gewesen oder hätte die Trauernden in den beiden Trauercafés seelsorgerlich begleitet. Ja, so einen Schutzhelm hätte ich gerne in den letzten Wochen gehabt.

 

Stattdessen wurde aus solch einem Hut eher ein Schiff, das auf unruhiger See dahintreibt. Hineingeworfen in ein unbekanntes Gewässer, scheinbar ohne Motor oder Ruder, ohne Navigationsgerät der Gewalt und der Gischt des Wassers ausgesetzt. Ich kam mir manches Mal so vor wie die Jünger in der Geschichte von der Stillung des Sturms. Angst, Not, Unsicherheit, Hilflosigkeit machte sich breit. Sie fühlten sich ausgeliefert einer Urgewalt, die sie nicht bezwingen konnten, der sie nicht aus eigenen Kräften Einhalt gebieten konnten. Und Jesus? Er ist zwar bei ihnen, aber er schläft. Er liegt einfach da und schläft, während um sie herum alles tost und stürmt und die Welt scheinbar über ihnen zusammenbricht. Wie gerne würde ich, wie die Jünger damals im Boot, Jesus wecken, an ihm zerren und ihn wachrütteln und fragen, warum hilfst du nicht, warum gebietest du diesem lebensbedrohenden Virus nicht mit deiner göttlichen Macht Einhalt, du brauchst doch nur ein Wort zu sagen…

 

Damals wurde Jesus wach und er gebot dem Sturm still zu werden. Und er wurde still. Jesus sprach aber auch die Jünger an und sagte zu ihnen, so wie es Lukas in seinem Evangelium aufgeschrieben hat: Wo ist euer Glaube?

 

Wo ist unser Glaube? Auch wenn es so etwas, wie die Corona-Epidemie, noch nicht gab, hat unser Glaube  in der Vergangenheit uns doch immer so viel Kraft gegeben, so viel Hoffnung, so viel Liebe. Wir haben doch unsere Tage voller Vertrauen bis jetzt leben dürfen, gehalten von unserem Glauben, gestärkt von der Gemeinschaft in unseren Familien und Gemeinden. Wir wussten und spürten: Wir sind durch unseren Glauben an Gott, den Vater, den Sohn und den heiligen Geist geborgen wie in einem großen Haus mit vielen Zimmern, in dem wir uns alle zuhause wissen dürfen.

 

Auch wenn der Zahn der Zeit an diesem Haus nagen will, auch wenn die Stürme des Lebens hier und da zerren, die Verbundenheit in diesem Haus macht uns stark. Durch die Taufe sind wir in eine Gemeinschaft hineingenommen, die nacheinander schaut, in der keiner allein ist, wo man sich hilft, wo man wie der oft genannte Leib mit den vielen Gliedern ist. Jeder braucht den anderen, wenn einer sich freut so freuen sich alle mit und wenn einer leidet, so leiden alle mit. Wir sind füreinander da und gemeinsam sind wir stark. Denn in unserer Mitte steht das Kreuz als Stärkungszeichen. Egal wie ungewohnt eine Lebenssituation auch sein mag, egal wie bedroht unser Leben auch ist, in der Mitte steht das Kreuz als großes Plus des Lebens. Es schenkt uns immer wieder neu die Hoffnung auf Leben, es lässt uns nicht verzweifeln, sondern macht Mut, dass es weitergeht. Ja, dieses Kreuz hilft unseren aufgeschreckten Herzen, weil es uns deutlich sagt: Du bist nicht allein. Da ist jemand, der genau weiß, wie es dir geht. Da ist jemand, der deine Ängste, Sorgen und Nöte, aber auch deine Pläne und Wünsche und Hoffnungen kennt. Da ist jemand immer an deiner Seite.

 

Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es, du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

 

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir!

 

 

Und ganz sicher hilft uns der Blick auf das Kreuz und mitten hindurch auch in den kommenden Wochen, wenn wir wieder Gottesdienste feiern dürfen. Es hilft mit Vorsicht und Bedacht, aber auch mit Mut und Herzenswärme ganz neu aufeinander zu zugehen und den für uns richtigen Weg in das „normale Leben“ wieder zu finden.

Bleiben Sie behütet und gesund!

 

 

 

 

 

Jubilate 2020 (3. Mai)  

 

 

 

Begrüßung mit Wochenspruch: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2. Kor. 5,17

 

 

 

Lied  Herr Jesus Christ, dich zu uns wend

 

 

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

 

 

 

Wir hören auf Worte aus dem 66. Psalm, der dem heutigen Sonntag seinen Namen gab:
Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens!

 

Rühmet ihn herrlich! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

 

Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.

 

Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

 

Lobet ihr Völker, unsern Gott, laßt seinen Ruhm weit erschallen, der unsere Seelen am Leben erhält und läßt unsere Füße nicht gleiten.

 

 

 

Wir wollen beten:
Herr, unser Gott, öffne uns die Herzen und öffne uns die Lippen, daß wir einstimmen in den Jubel dieser Zeit, die aus Ostern lebt. Auch wenn alles anders geworden ist, auch wenn ein Virus diese Welt in Schach hält, so steht die Freude über das neue Leben, das du uns schenken willst über allem. DU hast uns zur Freiheit gerufen, zum Leben aus dir, in dir und mit dir. Zur Auferstehung hast du uns gerufen. So willst du unser Leben verwandeln. Hilf uns, daß wir ernst machen damit, daß der Auferstandene unser Herr ist und wir durch ihn neue Menschen werden. Darum bitten wir durch deinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn.

 

 

 

Wir wollen miteinander auf das Evangelium des heutigen Sonntags hören, wie es uns Johannes aufgeschrieben hat in seinem 15. Kapitel. IN den ersten 8 Versen heißt es:
Jesus Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

 

Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen, und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe.

 

Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

 

Bleibt in mir und ich in euch: Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

 

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.

 

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

 

Darin wird mein Vater verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

 

 

Lied: Ich singe dir mit Herz und Mund

 

 

 

Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

 

 

Liebe Gemeinde, einen der Predigttext für den heutigen Sonntag Jubilate finden wir im 1. Buch Mose im 1. Kapitel:
Dort steht geschrieben:

 

 

 

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

 

Und Gott sprach: Es werde Licht!
Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.

 

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

 

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und schuf sie als Mann und Frau.

 

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

 

Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen zu eurer Speise.

 

Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.

 

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

 

SO wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.

 

Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.

 

Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

 

So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.

 

Amen

 

 

 

Der  1. Schöpfungsbericht. Über diesen Text ist schon viel nachgedacht und auch kräftig gestritten worden, denken wir nur an die Evolutionstheorie, also die Entwicklung der Lebewesen bis hin zum Menschen, oder an die Theorie vom Urknall. Diese beiden Theorien fechten mittlerweile einen langen Kampf aus und gerade in den letzten Jahren bekommt er wieder neue Nahrung, da es in Amerika und mittlerweile auch bei uns in Deutschland evangelikale Bestrebungen gibt, die diesen Streit neu beleben. Um diesen ersten Schöpfungsbericht richtig zu verstehen, müssen wir den Anlass und den Ort seiner Entstehung berücksichtigen. Er ist nicht am Schreibtisch eines Gelehrten entstanden, der nachgeforscht hat, wie denn die Welt entstanden ist, und diesen Tatsachenbericht verfasst hat. Er ist auch nicht der Abschlußbericht eines Theologenkongresses zum Thema: Wie die Welt begann. Vielmehr handelt es sich bei unserem Text um eine Botschaft, die seelsorgerlich und tröstend an das Volk der Juden gerichtet ist, und zwar an das Volk, das in harter Bedrängung lebte. Sie hatten das Unfaßbare erlebt: Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Sie hatten immer geglaubt, der Stadt Gottes könne niemand etwas anhaben. Sie hatten sogar geglaubt, ihnen könne, so lange sie Gott auf ihrer Seite hätte, nichts geschehen, er würde schon rechtzeitig dazwischen gehen und für sie kämpfen, wie er das früher doch auch so oft getan hatte. Doch die Realität hatte sie etwas anderes gelehrt. Der Thron Gottes war zerstört, die Mauern der Stadt Gottes dem Erdboden gleichgemacht. Darüber hinaus hatten die Eroberer sie ins Exil nach Babylon verschleppt, in eine fremde und feindselige Umgebung. An einem solchen Tiefpunkt des Lebens steht einem der Kopf nicht nach klugen Weltentstehungstheorien. Man fragt nicht nach dem Anfang der Welt, sondern man fragt vielmehr: Wohin führt das alles? Was bleibt, wenn sich alles

 

verändert? Gibt es eine begründete Überlebenschance? Gibt es in dieser Welt einen erkennbaren Sinn, oder ist alles sinnlos? Vielleicht, liebe Gemeinde, ist uns dieses Gefühl dieser Menschen in Gefangenschaft gar nicht so fremd, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch heute fragen viele Menschen nach dem Sinn des Lebens, nach dem Woher und Wohin. Vor allen Dingen nach dem Wohin, denn auch wir erleben Zerstörung, z.B. die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt, auch wenn wir immer wieder versuchen, sie dennoch aufzuhalten, oder denken wir nur an die Ereignisse um BSE vor ein paar Jahren, an den Tsunami in Japan vor ein paar Monaten, die Erdbeben in aller Welt vor kurzem oder die aktuelle Panik um die Schweinegrippe. Da kommen ganz schnell die Fragen, wo steuert das alles hin? Gibt es ein Herauskommen aus diesen Problemen. Gibt es eine Zukunft? Das fragt sich jeder von uns, denn wir sind ja alle irgendwie betroffen. Immer wieder hört man den Spruch: Man weiß ja bald gar nicht mehr was man noch essen soll. Man weiß ja bald gar nicht mehr, wohin man Urlaub machen kann, wer weiß, welche Krankheit irgendwo darauf wartet, auszubrechen. Liebe Gemeinde, da macht sich doch in diesen Worten eine große Resignation breit und die dämpft bei den meisten Menschen das Gefühl und die Hoffnung auf Besserung. Doch auch in anderen Gebieten unseres Daseins gibt es solche Fragen nach der Zukunft. Wie geht es weiter mit den ständig immer wiederkehrenden Kriegsplätzen dieser Welt, wie mit dem Elend und der Not, warum hören sie nie auf. Gibt es da noch eine Zukunft, die lebenswert ist? Diese Unsicherheit und Beunruhigung finden wir aber nicht nur im großen, sondern auch im kleinen. Manche unter uns sind von persönlichen Sorgen bedrängt. Da hat z.b. dieser Virus eine ganz neue Lebenssituation geschaffen und man spürt: Der Boden unter den Füßen ist nicht mehr so fest und unerschütterlich wie früher, sondern er wankt und schwankt. Und man sucht nach einem festen Halt. Liebe Gemeinde, wenn wir unseren eigenen Erfahrungen von Verunsicherung und Beunruhigung nachspüren, dann verstehen wir auch, worum es in unserem Text geht. Wenn die biblische Schöpfungserzählung nach dem Anfang fragt, so fragt sie in Wahrheit nach dem Grund, nach dem Fundament der Welt, nach dem, was die Welt und damit uns trägt und hält, was sie und uns vor der Bedrohung bewahrt und ihr und uns Sinn gibt. Darum geht es in unserem Text und wir wollen nun einmal miteinander zu entdecken versuchen, welche Antworten und Hilfen zu neuem Mut, zu neuem Weltvertrauen uns die Versauswahl aus dem 1. Schöpfungsbericht geben möchte.

 

 

 

Da ist zum ersten, die Erschaffung des Lichts. Gottes allererstes Wort in unserem Text lautet: Es werde Licht. Gott will, daß es hell wird in der Welt. Er drängt die Finsternis zurück, er schafft ein Gegengewicht zum chaotisch-finsteren Tohowabohu, er erschafft das Licht.

 

Was Licht bedeutet, das erlebt man z.b. nach einer schlaflosen Nacht besonders intensiv. Wahrscheinlich kennt fast jede und jeder von uns solche Nächte, in denen man keinen Schlaf findet und die Zeit unendlich langsam vergeht. Und wenn dann alles um uns herum so still ist, dann fangen die Gedanken heftig an zu arbeiten: die Sorgen und Ängste und die quälenden Dinge steigen dann leicht in uns empor. Und man wünscht sich, daß die Nacht bald vorüber wäre. Und dann - endlich - nach wie man meint unendlicher langer Zeit - dämmert es. Das erste Licht fällt herein, zuerst ganz schwach, doch es wird stärker und stärker, unaufhaltsam. Mit diesem Licht verschwinden dann auch oft die Schatten der Nacht. ES wird einem leichter, lichter ums Herz. Der neue Morgen ist so oft ein neuer Lichtblick mit neuer Lebenskraft und neuem Lebensmut.

 

An jedem Morgen wiederholt sich nicht nur ein Naturrhythmus, sondern an jedem Morgen wird mit der Kraft Gottes Licht und Leben in unserer Welt und in unser Herz hinein entladen. Jeder neue Tag kann vom Glauben her unter diesem Vorzeichen begonnen werden. Jeder Morgen kann uns das Geheimnis der Schöpfung und ihres Schöpfers lehren. Gott läßt die Welt nicht in einem Zustand von Dumpfheit und Dunkelheit, sondern er schafft das Licht und ermöglicht so das lebendige Leben.

 

Darum ist die Schöpfungsgeschichte vor allem eine Trostgeschichte. Sie sagt den bedrängten Menschen damals wie heute: Auch wenn euch jetzt noch Dunkelheit umgibt und vieles hoffnungslos erscheint, es bleibt nicht so! Die Finsternis hat nicht das letzte Wort! Denn Gott, der Schöpfer der Welt, spricht auch heute noch: Es werde Licht, darum seid sicher: der neue Morgen kommt. Die Finsternis wird weichen. Habt Mut!

 

 

 

Das zweite, womit uns der Predigttext Mut zusprechen möchte, sind die Worte über die Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Gottes Ebenbild zu sein bedeutet für uns dreierlei. Zum einen heißt das, wir sind nicht nur Gottes Geschöpfe, sondern wir sind diejenigen seiner Geschöpfe, die Gott direkt anspricht, zu denen er DU sagt, zu denen er ein ganz persönliches Verhältnis hat. Wir sind sein Gegenüber. Und das hilft uns in bedrängten Situationen. Ein Gegenüber zu haben, dem man seine Not klagen kann, der das Gespräch mit uns sucht, der uns Worte geben will, die uns weiterhelfen, das gibt unserer Seele neue Kraft, denn Gott ist unser Gegenüber, der uns nicht ohne Antwort lassen will.

 

Zum anderen heißt Gottes Ebenbild zu sein, daß wir in jedem Menschen um uns herum auch Gottes Ebenbild sehen müssen. IN jedem Gesicht scheint uns Gottes Gesicht entgegen. Und das bedeutet, daß wir jedem Menschen, egal welcher Hautfarbe, welcher Rasse, welchen Glaubens, respektvoll gegenübertreten, mit der Liebe und Ehrerbietung, die uns Gottes Ebenbildlichkeit abverlangt. Und zum dritten heißt Gottes Ebenbild zu sein, daß wir mit der Macht, die uns Gott dadurch verliehen hat, auch verantwortlich vor Gott, den Menschen und vor allem der Natur gegenüber umgehen. Sich die Erde untertan zu machen heißt nicht, sie auszubeuten und so zu tun, als hätte man noch eine zweite in Reserve. Zu herrschen heißt nicht alles unter seinen Willen zwingen, sondern nach dem zu fragen, was Gott will und was gut ist. Ich möchte gerne aber noch auf das dritte hinweisen, das unser Predigttext uns mit auf den Weg geben will, wo mit er uns Mut machen will für die Zukunft: und das ist der Sabbat. In der Ruhe des Sabbats sieht Gott den Endpunkt der Schöpfung. Diese Ruhe ist für uns Menschen, die wir ja immer meinen, unentwegt aktiv sein zu müssen, leistungsstark und energievoll, ungeheuer wichtig. Die Ruhe des Sabbats ist eine einzigartige Kraftquelle. Der Sabbat hat für das Volk der Juden über Jahrhunderte hinaus enorme Wichtigkeit gehabt. Der gemeinsame Ruhetag hielt sie über tausende von Kilometern zusammen. Weil du den Sabbat hältst, hält er dich, so lautet ein jüdisches Sprichwort. Der Sabbat, der Sonntag, sie können uns etwas geben, was uns kein Arbeitstag zu geben vermag. Sie können uns den Moment verschaffen, die Natur und uns Menschen nicht nur als Beiwerk und funktionierende Maschinerie des Lebens zu sehen, sondern uns ihre Schönheit und ihren Wert vor Augen führen. Der Sonntag will uns das Staunen über die Schöpfung wieder lehren. Und das kann Auswirkungen haben auf unseren Umgang mit der Umwelt und besonders auch mit unseren Mitmenschen an den übrigen Tagen der Woche: daß wir sorgsamer werden, schonender, rücksichtsvoller mit ihnen umgehen und uns unserer Verantwortung vor Gott dem Schöpfer neu bewußt werden.

 

In wenigen Tagen, liebe Gemeinde ist der 8. Mai. 75 Jahre sind vergangen seit dem Ende des 2. Weltkrieges. Der Krieg war sicher für alle hier, die ihn miterleben mußten, eine dunkle Zeit in ihrem Leben. Ohne Mut, ohne Kraft. Eine Zeit der sinnlosen Zerstörung. Ich finde es gut, daß dieser Predigttext gerade einige Tage vor dem 8. Mai, gegeben ist. Vertrauen auf Gott, Vertrauen auf das Licht, das er bringt, den Zuspruch und Anspruch, daß wir alle Gottes Ebenbilder sind und bleiben, und Gottes Gebot an uns, innezuhalten und uns seiner allumfassenden Schöpfungskraft und Macht bewußt zu werden, das brauchen wir, um daran zu arbeiten und erkennen, daß Krieg nie der richtige Weg ist, und daß wir alles tun müssen, damit es bei uns keinen Krieg mehr gibt und auch an den anderen Orten der Erde die Kriege und die Gewalt aufhören. Liebe Gemeinde, darum wünsche ich uns, daß die tröstende und mutmachende Botschaft des 1. Schöpfungsberichtes heute mit uns geht, hinein in unserer Alltag und daß wir gestärkt werden für die Zukunft.

 

Amen

 

 

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alles menschliche Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

 

 

Lied: 170, 1-3

 

 

 

Wir wollen beten:
Allmächtiger Gott: Du hast Himmel und Erde aus dem Nichts gerufen. Du hast deinen Sohn Jesus Christus Mensch werden lassen. DU lenkst unsere Gedanken durch den Heiligen Geist.

 

Herr, du gibst uns Grund zur Freude mitten in dieser unsicheren Zeit, denn wir können beim Blick nach draußen beobachten, dass du es dennoch gut mit uns meinst. Deine Schöpfung ist so wunderbar und so geheimnisvoll, daß unser Verstand sie im großen wie im kleinen nicht in ihrer Größe und Tiefe ergründen kann. Unser Auge erkennt nur nach und nach, was du für uns zum Leben und zur Lebensfreude geschaffen hast. Aber das größte Geheimnis deiner Schöpfung ist Jesus Christus. Durch seine Auferstehung ist wahre Freude über deine Schöpfung erst möglich. Wenn Christus in uns lebt und wir in ihm, dann sind wir neu geworden, dann können wir neu die Schöpfung sehen und erhalten, dann können wir neu aufeinander zugehen.

 

Herr, wir bitten dich, laß uns jeden neuen Tag das Wunder deiner Schöpfung erkennen. Wir sind für sie verantwortlich. Hilf uns bewahren, wo sie in der Gefahr steht zerstört zu werden. Laß uns erkennen, daß alle Kreaturen deine Geschöpfe sind. Hilf uns schützen, wo es nötig ist. Hilf uns Frieden zu schaffen im Großen wie im Kleinen.

 

Herr, wir bitten dich für alle, die keine Freude an ihrem Leben mehr finden. Für die Einsamen und Kranken, für die Resignierten und Verzweifelten. Laß sie erkennen, daß auch ihr Leben sich wenden kann, wenn sie dich erkennen und dein mutmachendes Licht in ihrem Leben spüren. Laß uns ihnen ein Stück diesen Lichtes in ihrem Dunkel sein und ihnen Mut machen.

 

Herr, wir legen alles in deine Hände im Vertrauen darauf, daß du uns führst und uns die richtigen Wege in allen Dingen unseres Lebens und Miteinanders zeigst durch deinen Sohn Jesus Christus.

 

 

 

So beten wir gemeinsam weiter, so wie es uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat:
Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme, Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unsren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

Und die Herrlichkeit in Ewigkeit  Amen

 

 

 

Lied 170, 4

 

 

 

Der Herr segne uns und behüte uns

 

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig

 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gottesdienst an Miserikordias Domini, dem 26. April 2020

 

 

 

Miserikordias Domini, so heißt der heutige Sonntag. Miserikordias Domini heißt nicht anderes, als die Barmherzigkeit des Herrn. Darum soll es in diesem Gottesdienst gehen. Gott, der Herr sorgt wie ein guter Hirte für uns – gerade auch jetzt und besonders in der Coronazeit. Der Wochenspruch lautet: „Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Im Vertrauen auf diesen Hirten beginnen wir den Gottesdienst mit dem Bekenntnis: Der Herr ist mein Hirte!

 

 

 

Lied: EG 274 Der Herr ist mein getreuer Hirt

 

 

 

Wir feiern verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 23

 

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

 

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

 

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

 

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

 

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

 

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

 

 

Wir beten

 

Herr, du bist unser Gott und Hirte. Dir folgen wir nach, auf dein Wort hören wir. Darum höre unser Rufen, schau in unsere Herzen und sieh, wie es uns geht. Lass uns auch über Kilometer hinweg verbunden sein. Keine Hauswand, kein Straßenzug kann uns innerlich voneinander trennen. So schenke uns Gemeinschaft als Schafe deiner Herde. Sei bei uns und leite uns. Amen

 

 

 

Lesung aus dem Johannesevangelium, 10. Kapitel, die Verse 10-16

 

Jesus spricht: Ich bin  der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht - und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -,

 

denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

 

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

 

Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

 

 

 

Lied: 625 Wir strecken uns nach dir

 

 

 

 

 

Predigt

 

 

 

Kennen Sie noch das Lied von Udo Jürgens, das er zusammen mit seiner Tochter gesungen hat „Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden“. Lang ist es her, als Udo und Jenny Jürgens aus vollem Herzen dies gesungen haben.

 

Wenn wir in diesen Tagen um uns schauen, auch die Bilder in den Medien verfolgen, dann haben wir einen ganz anderen Eindruck. Besonders wenn wir die Zahlen der Infizierten und Verstorbenen der Corona Epidemie hören.

 

Ja, die Erfahrung derzeit ist eine andere: In Coronazeiten müssen wir lernen, dass es zum Leben dazugehört, dass es Einschränkungen und Leid in verschiedenen Formen gibt. Leiden erfahren ja in diesen Wochen nicht nur die Infizierten oder gar schwer Erkrankten und ihre Angehörigen. Mit Einschränkungen müssen zurzeit alle leben, und darunter leiden Menschen verschieden schwer. Die Kontaktbeschränkungen führen dazu, dass viele alte Menschen keinen Besuch bekommen und unter Einsamkeit leiden. Aber auch Jüngere, die allein leben, leiden unter den fehlenden Kontakten; nicht alles lässt sich mit Telefon und Videoschaltung auffangen. Es lässt sich jetzt bereits feststellen, dass es viele Menschen gibt, die in dieser Situation unter psychischen Problemen leiden. Auf der anderen Seite gibt es in vielen Wohnungen Ärger und Streit, weil Kinder und Erwachsene auf engem Raum miteinander auskommen müssen. Viele leiden unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen, und andere darunter, dass ihr Arbeitsplatz und ihr Einkommen gefährdet sind. Ich möchte auch nicht vergessen, in welch schwierige Situationen Obdachlose derzeit geraten, und wie viel dramatischer sich das Coronavirus in den armen Ländern der Welt auswirkt.

 

 

 

All das wird nicht in wenigen Wochen vergessen sein, im Gegenteil: Die Erfahrung, dass Leiden Teil unseres Lebens ist, wird unsere Welt und unser Leben verändern.

 

 

 

Dabei können wir doch alle grundsätzlich von uns sagen:

 

Niemand wünscht sich zu leiden, krank zu sein, ohne Arbeit oder allein. Es ist schon schwer genug zu akzeptieren, dass Leiden zu unserem Leben dazugehört. Umso erstaunlicher ist es, was ich in der Bibel zum Thema Leiden lesen kann. Da schreibt etwa der Verfasser des 1. Petrusbriefs am Ende des 1. Jahrhunderts: „Wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott.“ (1. Petrus, 2,20b)

 

 

 

Leiden als Gnade? Geht das nicht einen Schritt zu weit? Zumal der Apostel das ja an Menschen schreibt, die schwer zu leiden haben. Die Christen, an die Petrus sich wendet, wurden wegen ihres Glaubens verhöhnt und zum Teil verfolgt. Auf jeden Fall hatten sie Nachteile zu erwarten. Erst recht galt das für die Sklaven, von denen sich auch einige zur christlichen Gemeinde hielten. Unter ihren zum Teil wunderlichen Herren haben sie Schlimmes erfahren. Gerade an sie richtet sich der Apostel, wenn er sagt: Wenn ihr leidet, ist dies Gnade bei Gott.

 

Wie kann er so etwas sagen? In den folgenden Sätzen im ersten Petrusbrief begründet er das mit dem Hinweis auf Jesus, wahrscheinlich spielt er sogar auf ein altes Christuslied an. Ich lese aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 2, die Verse 21-25:

 

 

 

Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

 

 

Leiden als Gnade? Der Apostel verweist auf Jesus Christus: Jesus Christus selbst hat ja gelitten. Ausführlich wird sein Leiden benannt: Wie er geschmäht wurde und gekreuzigt wurde, wie er das Leid ertragen hat, ohne sich zur Wehr zu setzen; und dass, obwohl er selbst ohne Sünde war. Doch entscheidend ist nicht, was er alles erlitten hat, sondern vielmehr: Er hat für uns gelitten: „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden“, sagt der Apostel. Jesu Leiden hat keinen Selbstzweck. Es ist auch keine Leidenssehnsucht dahinter, wie dem christlichen Glauben manchmal unterstellt wird. Jesu Leiden hat Sinn, er hat für uns gelitten, damit wir leben können. Wir können von Jesu Leid und Tod ja nicht sprechen, ohne auch seine Auferstehung zu glauben. Mit ihm verbunden leidet er für uns, damit wir mit ihm auch leben können und das Heil erfahren. Vor zwei Wochen haben wir Ostern gefeiert, von Ostern her können wir auch das Leid als Gnade erfahren. Denn der Auferstandene ist der Hirte und Bischof unserer Seelen.

 

Doch dieser Hirte und Bischof unserer Seelen ist für uns zugleich das Vorbild, dem wir nachfolgen sollen. So sagt es der Verfasser des 1. Petrusbriefs: „Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.“ Auch wenn diese Fußstapfen uns zu groß erscheinen: wir sollen Christus in seinem Leiden nachfolgen. Mit seinem Leiden hat er uns ein Vorbild hinterlassen, wörtlich übersetzt müsste man genauer sagen: eine Vorlage hat er uns gegeben. Es geht nicht darum, im Einzelnen nachzuahmen, was Jesus getan hat, sondern sich im Leiden nach dem Muster zu richten, das wir in Jesus haben.

 

Ich verstehe das so: Jesus hat nicht gelitten um des Leidens willen, sondern er hat für uns gelitten. So hat auch für uns Christen das Leiden keinen Selbstzweck, sondern es soll hilfreich sein für andere. Es geht nicht darum, sich selbst zu quälen, Masochismus ist niemals eine christliche Tugend. Es geht vielmehr darum, anderen zugute auch Leiden in Kauf zu nehmen. So liegt auf dem Leiden Gottes Gnade und Segen. Ich erinnere noch einmal genau an die Worte des Apostels: „Wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott.“ Das Gute tun: darauf kommt es hier an. Wenn wir das Gute tun, und das führt uns in das Leid, dann gehen wir in den Fußstapfen Christi.

 

Leiden in Kauf nehmen, um anderen zu helfen: Genau das können wir in unseren Coronazeiten einüben. Das Leid, das wir in unterschiedlicher Form derzeit alle erfahren, ist nicht an sich gut. Aber vielfach ist es gerade dafür gut, anderen zu helfen und sie zu schützen. Wenn derzeit Arbeitsplätze gefährdet sind, dann lässt sich solches Leid nur ertragen im Blick darauf, dass es der Gesundheit von vielen dient. Die Abstandsregeln und Kontaktverbote dienen dem Schutz von Menschen insbesondere in den Risikogruppen, und in diesem Bewusstsein lassen sich auch Einschränkungen und Einsamkeit eher aushalten. Deutlich wird das für mich beim Mundschutz, der nun in diesen Tagen in allen Bundesländern Pflicht wird. Der bedeutet ja keine große Einschränkung, dennoch ist er eine kleine, aber bedeutsame Geste: Mit meinem Mundschutz schütze ich ja weniger mich, sondern vielmehr die Menschen in meiner Nähe. Ich nehme das zum Schutz der anderen gerne auf mich.

 

Das sind Zeichen der Solidarität, von der der Bundespräsident in seiner Ansprache zu Ostern gesprochen hat: „Solidarität – ich weiß, das ist ein großes Wort“, hat er gesagt, und weiter: „Aber erfährt nicht jeder und jede von uns derzeit ganz konkret, ganz existenziell, was Solidarität bedeutet? Mein Handeln ist für andere überlebenswichtig.“

 

Zweifellos hat Steinmeier auch recht, wenn er sagt: Unsere Welt wird nach Corona eine andere sein. Ich erinnere mich daran, wie sehr der Reaktorunfall von Tschernobyl unsere Welt verändert hat. Das war übrigens heute vor 34 Jahren, am 26. April 1986. Haltungen und Handlungen in unserer Gesellschaft haben sich seitdem in vielerlei Hinsicht geändert. Wie viel mehr wird das in einer Zeit nach Corona sein. Jetzt schon können wir die Zeit nutzen, unseren Umgang mit dem Leid zu ändern und Solidarität einzuüben. Oder in der Sprache des 1. Petrusbriefes: In den Fußstapfen Jesu Christi füreinander Hirten sein. Denn „wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott“.

 

Auf dem Leiden liegt Gottes Gnade, weil das Leid nicht das letzte Wort haben wird. Jesus hat ja für uns gelitten, damit wir das Heil erfahren. Nicht nur zur Coronazeit ist unser Leben durch verschiedene Erfahrungen von Leid gekennzeichnet. Das Leid zu tragen, scheint uns manchmal sehr schwer, die Fußstapfen der Nachfolge zu groß. Doch wir können das mit dem Blick auf Ostern ertragen, weil Jesus der Hirte unserer Seelen ist, der uns leben lässt. Darum gilt auch im Leid unserer Zeit, wie es im Lied 182 (V. 5) heißt:

 

„Freut euch, ihr Christen, erstanden ist der Herr:

 

er lebet, und wir sollen leben.

 

Not, Angst und Tod kann uns nicht besiegen mehr:

 

Gott hat den Sieg uns gegeben. Halleluja!“

 

 

 

 

 

Fürbitten

 

 

 

Herr, Jesus Christus, du bist unser guter Hirte und der Bischof unserer Seelen. Du willst, dass wir dein Heil erfahren und leben können. Dafür danken wir dir und wir kommen zu dir mit unseren Bitten:

 

 

 

Wir bitten dich für alle, die unter der Coronapandemie leiden: Wir denken zuerst an die schwer Erkrankten, aber auch an alle, die aus anderen Gründen Schmerzen leiden oder mit dem Tod kämpfen. Wir denken auch an die Ärzte und das Pflegepersonal in den Kliniken, in den Heimen, in den Arztpraxen und ambulanten Diensten, die sich selbst in Gefahr bringen und mit hohem Einsatz für die die Kranken da sind.

 

Lass sie alle in Gesundheit und Krankheit auf deine Gnade und dein Heil trauen.

 

 

 

Wir bitten dich für all die anderen, die unter den Einschränkungen dieser Zeit leiden: Wir denken an die, deren Alltag zu Hause zur Hölle wird, wir denken an die Gestressten und die Einsamen und an die, denen die Situation psychisch zusetzt. Wir denken aber auch an all diejenigen, die unter den wirtschaftlichen Folgen jetzt schon leiden, weil sie ihre Betriebe nicht öffnen können oder um ihren Arbeitsplatz fürchten.

 

Sei ihnen allen ein guter Hirte, der für sie sorgt in schweren Zeiten.

 

 

 

Wir bitten dich für die Menschen in aller Welt, die besonders schwer unter der Coronapandemie leiden: Menschen die auf der Flucht sind oder in Lagern leben, Menschen, denen es sowieso am nötigsten zum Leben fehlt, die kein Haus haben, in das sie sich zurückziehen können, oder die keine ausreichende ärztliche Versorgung erhalten können.

 

Lass sie Gerechtigkeit erfahren und hilf zu besserem Leben auf dieser Erde.

 

 

 

Wir bitten dich für uns und deine Kirche in aller Welt, lass uns vertrauen auf deine Liebe und führe uns in die Nachfolge, dass wir lernen, für andere einzustehen, auch Leid auf uns zu nehmen und in der Hoffnung auf dein Heil zu leben.

 

Wir bitten dich: Lass neues Leben anfangen unter uns.

 

(nach Matthias Wöhrmann)

 

 

 

Gemeinsam beten wir:

 

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme, Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit In Ewigkeit. Amen

 

 

 

Gott segne Sie! Gott behüte Sie! Er lege auf Sie seinen Frieden! Amen!

 

 

 

Lesegottesdienst für den 1. Sonntag nach Ostern - Quasimodogeniti
(19. April 2020)

 

 

 

Wochenspruch

 

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
1.Petrus 1,3

 

 

 

Der Gottesdienst

 

Eingangslied EG 100,1.3.5 Wir wollen alle fröhlich sein

 

 

 

Eingangswort:

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Der Herr sei mit uns.

 

„Wie die neugeborenen Kinder“, wie neue Menschen sind wir durch die Auferstehung Christi geworden. Als Zeichen dafür wurde in der frühen Kirche die Taufe in der Osternacht gefeiert, und die Neugetauften haben dann eine Woche lang in den Gottesdiensten das weiße Taufkleid getragen – daher auch der Name „Weißer Sonntag“.

 

Gelobt sei Gott, der auch uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten!

 

 

 

Gebet

 

Himmlischer Vater,
du hast Jesus Christus auferweckt;
mit ihm sind wir zu einem neuen Leben berufen.
Hilf uns durch deinen Geist, ihn als unseren Herrn und Gott zu bezeugen, jetzt und in Ewigkeit.

 

 

 

Epistel: 1.Petrus 1,3-9

 

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

 

 

 

Evangelium: Johannes 20,19-29

 

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

 

Evtl. Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

 

Wochenlied EG 108,1-3 Mit Freuden zart

 

Predigtwort – Jesaja 40,26-31 (wird während der Predigt gelesen)

 

 

 

Predigt

 

I.
„An die müde Gewordenen“ – so könnte die Überschrift für das heutige Predigtwort heißen. „An die Überforderten“ oder auch „An alle mit lahmen Flügeln“ oder „An die, denen alles zu viel wird“.
Es gibt so Zeiten im Leben. Jetzt – in Zeiten von „Corona“ – und auch sonst:
Im Fernsehen war das Bild einer italienischen Krankenschwester zu sehen: wie sie völlig erschöpft über einem Berg Krankenakten eingeschlafen war. Es war zu viel. Ausgebrannt, erschöpft, resigniert – manche Menschen erleben das jeden Tag. Die Aufgaben übersteigen ihre Kräfte.

 

Da ist die Frau, die ihren Mann über viele Jahre gepflegt hat. Zuletzt kam er aus dem Bett nicht mehr heraus. Jetzt ist er tot, schon seit einer Weile. Eine „Erlösung“, sagen die Kinder. Die Frau ist von der Last der Pflege befreit. Aber es gelingt ihr noch nicht wirklich, zurück ins Leben zu finden. Die Trauer, eine lähmende Müdigkeit hält sie immer noch gefangen.

 

Da ist ein junger Mann, Single, Mitte dreißig. Sein Beruf fordert ihn total. Er weiß: „Ich kann mich glücklich schätzen, diese tolle Stelle gefunden zu haben. Die Geschäfte laufen gut.“ Aber ständig diese Überstunden bis spät in den Abend hinein! Sogar am Samstag fährt er ins Büro. Nach einem freien Wochenende lechzt er wie ein Ertrinkender nach dem Rettungsboot. Wenn er mal frei hat, schläft er bis Mittag und verbringt den Rest des Tages vor dem Fernseher. Für Sport, Hobbies, Freunde hat er einfach keine Energie mehr.

 

Da ist dann auch noch die junge Mutter. Zusammen mit ihrem Mann sind sie aufs Land gezogen in ein Neubaugebiet. Dort war es eben günstiger als in der Stadt. Mittlerweile haben sie zwei Kinder. Sie sind darüber glücklich und stolz. Und gerne blieb sie deswegen erst mal zu Hause. Doch seit einiger Zeit vermisst sie die Kontakte in der Stadt sehr. Und der Alltag mit Haushalt und den Kindern kostet viel Kraft. Ihr Mann kriegt davon kaum etwas mit. Wenn er von der Arbeit gestresst nach Hause kommt, sind die Kinder oft schon im Bett. Manchmal sitzt sie allein vor dem Fernseher und fragt sich: Soll das schon alles gewesen sein?

 

Ja, manche Menschen sind sogar dauerhaft müde. Wie mit gebrochenen Flügeln bewegen sie sich mühsam durchs Leben. Sie sind mit ihrer Kraft am Ende.
An diese alle, an alle müde Gewordenen und Überforderten, an alle „Flügellahmen“ und Erschöpften richtet sich das heutige Predigtwort besonders.

 

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jesaja 40, 26-31)

 

II.
Die ersten, denen diese „Mut-mach-Worte“ galten, lebten vor über 2500 Jahren. Geschrieben sind diese Worte ursprünglich für Migranten um 600 vor Christus: für die Israeliten, deren Hauptstadt Jerusalem von babylonischen Truppen in Schutt und Asche gelegt worden war, und die man ins Exil nach Babylon deportierte. Ihr Schicksal dauerte nicht nur ein paar Wochen oder Monate, sondern Generationen. So lange leben sie dort im fremden Land. Sie deuten ihr Schicksal als Gottes Strafe für den Unglauben ihres Volkes: Die Vorfahren hatten nicht auf die Warnungen der Propheten gehört und nun müssen sie immer noch die Konsequenzen tragen. Resignation macht sich breit. Gott – so kommt es ihnen vor – hat sich für immer abgewandt.

 

Doch dann, mitten in diese Situation hinein beruft Gott einen Propheten. Seinen Namen kennen wir nicht, aber seine Worte sind im Jesaja-Buch aufbewahrt. Luther nannte diese Kapitel 40-55 das „Trostbuch von der Erlösung Israels“.
Der Prophet tröstet sein Volk, er tröstet die Resignierten, die Erschöpften, die Zweifelnden und die „Flügellahmen“.

 

„Kopf hoch“, sagen wir manchmal, wenn wir jemanden aufmuntern wollen. Jesaja sagt etwas ganz Ähnliches: „Hebt eure Augen in die Höhe und seht!“
Er erinnert die frustrierten Leute wieder an Gottes Macht. Er will die vom Frust zugeklebten und vernebelten Augen wieder öffnen. Er sagt: „Schaut euch doch mal um in Gottes Schöpfung! Seine Macht ist unendlich groß, viel größer als alle Mächte, die euch einschüchtern und Angst machen.“
Heute könnte man sagen: „Gott ist größer als die globalen Finanzmärkte, größer als alle Veränderungen durch die Digitalisierung, größer als der Klimawandel, größer als jede Krankheit.“ Es gilt eben nicht: „Alle Macht dem Virus!“ Gottes Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt, erinnert der Prophet die Menschen.Er ruft sie alle mit Namen.
Du bleibst sein geliebtes Geschöpf! Auch wenn du matt und müde bist, vom Leben gezeichnet und völlig fertig – Gott ist und bleibt für dich da.

 

III.
Wer schon einmal selbst versucht hat, andere zu trösten, weiß, wie schwer das ist. Trösten funktioniert nicht auf Knopfdruck. Auch nicht bei Gott.

 

Vielleicht wünschen wir uns das manchmal, dass Gott hilft wie eine schnell wirksame Tablette: „Da ist ein Konflikt. Da ist ein Problem. Da ist unsere Müdigkeit. Dann bete ich und bald ist alles wieder gut.“ So wie sonst auch in unserem Leben: „Ich habe ein Bedürfnis. Ich drücke einen Knopf. Und schon wird die Wäsche gewaschen, der Kaffee zubereitet, das Geld überwiesen.“
Aber diese „Knopfdruckerwartung“ wäre ein großes Missverständnis. Das mit dem Knopfdruck ist unser Lebensgefühl, nicht Gottes Weg, jedenfalls in den allermeisten Fällen. Gott tickt anders. Er ist ja kein Computer oder Service-Dienstleister.

 

Jesaja verkündigt keinen „Gott auf Knopfdruck“. Er macht Mut zum langen Atem, zur Geduld, die uns ja auch in diesen Tagen empfohlen wird und die manchmal schon eine längst vergessene Tugend scheint.

 

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.
Harren – das ist ein altes Wort. Dieses Harren lässt sich gut übersetzen mit „vertrauen und warten können“. Gott mutet uns das Warten zu. Manchmal geht es in den Kämpfen des Lebens schlicht darum, festzuhalten an Gott, mit dem Vertrauen weiterzumachen, nicht damit aufzuhören.

 

Das ist das Mut-Wort an all die Erschöpften und Flügellahmen, an die Müden und an die Überforderten:

 

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Ja, das ist so im Leben, dass auch „Jünglinge“, junge, kräftige Menschen erkranken und matt werden; und ja, auch Männer, starke und dynamische Menschen und Macher werden fallen und überfordert werden; die besten Pflegerinnen und Pfleger werden müde, die stärksten Eltern kommen an ihre Grenzen. Aber: Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.

 

Das wird uns versprochen: Harre aus, hab Gottvertrauen, warte ab, sei geduldig mit dir und mit deinen Mitmenschen. Es wird die Zeit kommen, dass du spürst: Jetzt hat Gott mich aufgerichtet!

 

IV.
Im Evangelium des Johannes wird diese Erfahrung beschrieben: Aufgerichtet werden, Auferstehung – das ist, wenn Jesus in unser Leben voller Furcht, in unsere Isolation, in unsere abgeschlossenen Wohnungen tritt:

 

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

 

Anders als erwartet tritt Gott in unser Leben. Und doch so, dass wir neu gestärkt werden. Manchmal so intensiv, dass wir fast meinen, zu fliegen. Gott schenkt solche Momente, in denen wir wieder Frieden bekommen. Wir kriegen Boden unter den Füßen. Neue Energien fließen uns zu. Wieder Kraft für den Job, für den schwierigen Kollegen, für die Beziehung, für eine Aufgabe oder eine notwendige Veränderung.

 

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Amen.

 

 

 

Predigtlied EG 111,1.2.5.12.13 Frühmorgens, da die Sonn aufgeht

 

 

 

Fürbittengebet

 

Ewiger, barmherziger Gott,

 

durch Jesus Christus hast du uns alle zum Heil und zur Freude berufen.

 

Durch ihn bitten wir dich:

 

 Schenke deiner Kirche immer neu deine lebendige Gegenwart.
Wir bitten dich: erhöre uns.

 

Schenke der Welt deinen Frieden, den sie sich selbst nicht geben kann.
Wir bitten dich: erhöre uns.

 

Schenke allen Getauften den Glauben, der zu neuem Leben befreit.
Wir bitten dich: erhöre uns.

 

Schenke den Kranken Heilung und Heil.
Wir bitten dich: erhöre uns.

 

 Schenke allen, die sich für andere einsetzen, die Kraft deiner Liebe.
Wir bitten dich: erhöre uns.

 

Schenke unseren Verstorbenen das ewige Leben.
Wir bitten dich: erhöre uns.

 

 

 

Gott, Schöpfer der Welt, du hast an Ostern das Böse und den Tod besiegt und das Leben neu geschaffen. Überwinde unsere Zweifel und stärke das Vertrauen zu dir, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn.

 

 

 

Vaterunser

 

 

 

Bitte um Segen

 

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden.

 

 

 

Von Sabine Meister und Gottfried Greiner aktualisierte und gekürzte Lesepredigt von
Pfarrer Armin Kübler
Reidenburger Str. 25, 93309 Kehlheim
armin.kuebler@gmx.de

 

Lasst uns gemeinsam
– jeder in seinen vier Wänden –
Gottesdienst feiern:

 

 

 

Diesen Text stellen wir auf unserer Gemeinde Internetseite unter


www.kirchengemeinde-bischoffen.de

bereit. Woche für Woche wollen wir so einen Gottesdienst zum Feiern in den eigenen vier Wänden zur Verfügung stellen.

 

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                                             Kreuzweg 2020

 

 

 

Ostermontag 13.4.2020

 

 

 

Der Herr ist auferstanden!

 

Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

 

 

Erfüllt von Ostern, auch wenn wir es anders erleben als sonst, sind wir verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 118 i.A.

 

 

 

 

 

1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

 

8 Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen.

 

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

 

15 Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

 

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

 

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.

 

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

 

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

 

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

 

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

 

25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

 

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid.

 

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

 

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

 

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

 

 

 

Gebet

 

Herr, unser Gott, mitten hinein in eine von einem Virus und vom Tod bedrohte Welt, feiern wir deine Auferstehung, feiern wir Ostern, rufen wir: Der Herr ist auferstanden. Damals haben die Jünger diese Botschaft gehört und sich langsam auf den Weg gemacht. Sie mussten es erst begreifen, mit ihren Herzen spüren.

 

Deine Botschaft der Auferstehung möchte uns auch in diesen Zeiten auf den Weg helfen. Wie den Jüngern fällt es uns schwer, wir sehen so viel Leid, wir hören so viel Weh und Ach, wir spüren so viel Unsicherheit. Lass uns deinem Ruf vertrauen. Lass uns durch deine Auferstehung dem Leben trauen und Wege finden. Lerne uns mit dem, was uns halten will, umzugehen. Gib uns Mut darauf zu vertrauen, dass du stärker bis als alles Leid dieser Welt, stärker auch als diese Virus. So komm zu uns, wecke uns auf, lass uns aufbrechen und deine Auferstehung verkündigen. Amen

 

 

 

Lied EG 552

 

A: Einer ist unser Leben,

 

Licht auf unseren Wegen,

 

Hoffnung, die aus dem Tod erstand,

 

die uns befreit.

 

Strophen

 

1. V: Viele hungern, die andern sind satt in dieser Welt,

 

einer teilte schon einmal das Brot, und es reichte für alle.

 

2. Viele werden verkannt und verlacht und unterdrückt,

 

einer nahm sich der Wehrlosen an und erbarmt sich der Armen.

 

3. Viele kennen nur Waffen und Krieg, Hass und Gewalt,

 

einer lehrt’ uns dem Feind zu verzeihn und die Menschen zu lieben.

 

4. Viele Menschen sind blind oder stumm und wissen’s nicht.

 

Einer machte die Kranken gesund, einer heilte sie alle.

 

5. Viele zweifeln und glauben nicht mehr, viele von uns,

 

einer ging wie ein Licht vor uns her in den Tod und das Leben.

 

 

 

Lukas 24,13-35

 

 

 

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus.

 

14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

 

15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

 

16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

 

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.

 

18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

 

19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk;

 

20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.

 

21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß dies geschehen ist.

 

22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,

 

23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.

 

24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

 

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!

 

26 Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

 

27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.

 

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.

 

29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

 

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.

 

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

 

32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

 

33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;

 

34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.

 

35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

 

 

 

Ein paar Gedanken

 

Was wäre Ostern ohne diese wunderbare Geschichte. Sie gehört zu meinen Lieblingsgeschichten aus der Bibel. Sie erzählt in sehr eindrücklichen Worten, wie Trauernde ihre Welt erleben. Da sind zwei Männer auf dem Weg von Jerusalem  nach Hause in den Ort Emmaus. Voller Traurigkeit stecken sie ihre Köpfe zusammen und lassen sich von ihren Erinnerungen gefangen nehmen. Wer weiß, wie viele Tränen bereits geflossen sind. Niedergeschlagen, mit traurigen Bildern im Herzen gehen sie ihren Weg. Mit den Geschichten, die sie sich dabei erzählen, möchten sie ein wenig wieder ins Leben zurückholen, was ihnen genommen wurde. Jemanden zu verlieren, und dann auch noch auf so grausame Weise, jemand, auf den man so viele Hoffnungen gesetzt hat, für den man sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat, diesen jemand zu verlieren ist mehr als nur schlimm. Er war doch das Ein und das Alles,  der Dreh- und Angelpunkt über so viele Monate hinweg. Er hat Gott nahe gebracht, wie kein anderer. Er hat erzählt und erklärt, er hat den Finger in die Wunde gelegt und Dinge gesagt, die vor ihm noch niemand gesagt hat. So gehen die beiden, versunken und vergraben in Trauer, gleichzeitig aufgewühlt von den Worten der Frauen, die Jesus im Grab nicht mehr gefunden haben. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Nachricht sie aus der Fassung bringt, dass sie sie nicht glauben können. Menschen in Trauer sind in ihrem Schmerz nur sehr schwer erreichbar für die Außenwelt, für das, was passiert. Und dann kommt da dieser Fremde. Oh wie gut tut es, alles von der Seele reden zu können. Seine angebliche Unwissenheit lässt ihre Erinnerungen und ihre Herzen übersprudeln. Und dann am Abend, im Gasthaus, da erkennen sie den Fremden. Es ist Jesus. All das, was die Frauen erzählt haben, ist wahr. Und im gleichen Augenblick ist er wieder weg. Von einer Sekunde zur anderen. Eben hat er noch das Brot gebrochen, wie er es früher immer tat, und dann waren sie wieder allein. Oder doch nicht? Sie spürten auf einmal, auch wenn Jesus körperlich nicht mehr da war, im Herzen war er ganz nah bei ihnen. Nicht so, wie vorher, als sie dachten, er wäre tot. Nein, jetzt wussten sie, dass er wieder lebendig war, dass er auf eine ganz neue Art und Weise immer bei ihnen sein würde.

 

Wenn mir in diesen Zeiten diese Geschichte gut tut, dann, weil sie von einem Weg erzählt, auf dem jemand mitgeht und zuhört. Das ist doch genau das, was wir in diesen Corona-Zeiten brauchen. Jemand, der an unserer Seite ist, jemand, der uns erzählen lässt, was uns auf dem Herzen brennt, jemand, der Interesse hat an dem, was uns bewegt und jemand, der mitgeht und uns irgendwie dann doch nicht ganz allein lässt. Jeder, der Trauernde begleitet weiß, dass dies der einzige Weg ist, den Menschen in dieser Situation zu helfen. Da Sein, erzählen lassen, Anteil nehmen, spüren lassen, du musst da nicht allein durch, ich dränge mich nicht auf, sonder bin da im Herzen.

 

Das ist auch das, was zur Zeit so vielen gut tut. Da sind auf einmal Menschen, die kümmern sich um einander, trotz Abstand ist da Nähe. Aus dem körperlichen Abstand ist eine seelische, soziale Nähe geworden, die einfach gut tut. Die auch die Angst und die Verwirrtheit dieser Situation aushalten hilft. So entsteht Hoffnung, neues Vertrauen in die Zukunft.

 

Diese Geschichte von den Emmausjüngern ist Balsam für jede Seele.

 

Bleiben Sie gesund und behütet!

 

 

 

Gebet

 

Komm, Jesus, komm mit uns in unsere Welt

 

Komm mit uns zu den Menschen, die in diesen Zeiten unsicher geworden sind am Leben

 

Komm mit uns zu denen, die nicht mehr weitewissen

 

Komm mit uns zu denen, denen die ganze Situation zu schaffen macht

 

Komm mit zu denen, die krank und einsam sind, traurig und allein.

 

Geh du an ihrer Seite und lass uns auch da sein, in einem Anruf, in einem Gebet, in einer kleinen täglichen Hilfestellung, oder was auch immer es ist.

 

Schenke uns füreinander die Kraft und sei du mitten dabei

 

Guter Gott, so bitten wir um gute Erfahrungen mit deiner Osterbotschaft

 

Gemeinsam beten wir

 

Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme

 

Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

 

 

 

 

Gott sei mit euch.

 

Er behüte euer Kommen und Gehen.

 

Er bewahre euch vor allem Bösen und stärke euch zum Guten und zum Frieden.

 

Es segne euch Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist.

 

Gott segne euch mit seiner österlichen Freude. Amen

 

 

 

 

Ostern 12.4.2020

 

 

 

Psalm 130

 

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.

 

2 Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

 

3 Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst - Herr, wer wird bestehen?

 

4 Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.

 

5 Ich harre des HERRN, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.

 

6 Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen

 

7 hoffe Israel auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

 

 

 

Wir kommen aus dem Dunkel des Karfreitags und der Stille des Karsamstags. Schwer liegen auf unseren Herzen die Bilder vergangener Tage. Alles scheint wie tot, wie ausgestorben. Wir sind zurückgeworfen auf uns selbst. Wie können wir dem Leben wieder trauen? Wie können wir den neuen Tag angehen? Gibt es neues Leben? Gibt es eine Zukunft? Kann und darf ich wieder hoffen?

 

 

 

Damals erlebte einer die größte und schwerste und dunkelste Nacht, die man sich vorstellen kann. Verraten, verleugnet, verspottet, verhöhnt, verurteilt, gekreuzigt. Alles schien zu Ende. Der Tod hatte wohl das letzte Wort, so glaubte man. Die Hoffnungen verwandelten sich in Hoffnungslosigkeit. Erstarrung machte sich breit.

 

 

 

Und dann!

 

 

 

Aus der Dunkelheit der Nacht erwächst ein neuer Tag. Die Sonne vertreibt die Schwere der Nacht. Sie macht alles hell und licht. Die Kälte weicht und die Wärme kommt. Ein neuer Anfang. Ein neuer Tag. Leben.

 

 

 

Dann brach sich Erstaunen seine Bahn!

 

 

 

Lukas 24,1-12

 

 

 

1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten.

 

2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab

 

3 und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.

 

4 Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern.

 

5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

 

6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:

 

7 Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.

 

8 Und sie gedachten an seine Worte.

 

9 Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen.

 

10 Es waren aber Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln.

 

11 Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

 

12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.

 

 

 

 

 

Der Herr ist auferstanden

 

Er ist wahrhaftig auferstanden

 

Christ ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis

 

Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen, seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

 

Halleluja, halleluja!

 

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

 

 

 

Lied EG 100

 

 

 

1. Wir wollen alle fröhlich sein

 

in dieser österlichen Zeit;

 

denn unser Heil hat Gott bereit’.

 

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

 

gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

2. Es ist erstanden Jesus Christ,

 

der an dem Kreuz gestorben ist,

 

dem sei Lob, Ehr zu aller Frist.

 

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

 

gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

3. Er hat zerstört der Höllen Pfort,

 

die Seinen all herausgeführt

 

und uns erlöst vom ewgen Tod.

 

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

 

gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

4. Es singt der ganze Erdenkreis

 

dem Gottessohne Lob und Preis,

 

der uns erkauft das Paradeis.

 

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

 

gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

5. Des freu sich alle Christenheit

 

und lobe die Dreifaltigkeit

 

von nun an bis in Ewigkeit.

 

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

 

gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

 

 

 

 

 

 

Petrus kann es kaum glauben. Er muss es selber sehen. Schnell läuft er zum Grab um mit eigenen Augen zu schauen, was die Frauen ihm am frühen Morgen erzählt haben. Jesus ist auferstanden. Er ist nicht mehr bei den Toten. Er ist wieder lebendig geworden. Das Unglaubliche ist geschehen. Aus dem Tod ist neues Leben erwachsen. Petrus kann sich nur noch wundern, so schreibt Lukas in seinem Evangelium. Fast alles ist wie vorher, das Grab ist da, der Platz, wo sie Jesus hinlegten ist da, sogar die Leinentücher liegen an Ort und Stelle. Nur der Herr, Jesus, ist verschwunden. Haben die Frauen recht? Haben sie wirklich einen Engel gesehen, der ihnen gesagt hat, dass Jesus auferstanden ist, wie er es angekündigt hatte? Petrus kann sich nur noch wundern, etwas anderes bleibt ihm nicht übrig, denn er kann es nicht erklären. Erst dachte er wie die Anderen, dass das Reden der Frauen nur Geschwätz sei, doch nun hat er es mit eigenen Augen gesehen: Nichts ist mehr, wie es vorher war.

 

Ich weiß nicht, wir lange Petrus gebraucht hat, um all das zu begreifen, was an diesem Tag geschah.  Ob es nicht auch, wie bei den anderen Jüngern, Stunden, gar Tage gebraucht hat. Ob er nicht auch mehr Fragen in sich trug, als Antworten. Er wunderte sich. Er hat wohl nach und nach erst begriffen, dass das, was tot war, nun lebendig ist. Dass alles neu ist, anders, verwandelt, auf den Kopf gestellt

 

Ostern verändert alles.

 

Wenn ich aus meinem Bürofenster nach draußen in unseren Garten schaue, dann sehe ich blühende Bäume, das satte Grün des Rasens, die bunten Farben der Frühjahrsblumen, dazu den blauen Himmel. Ich sehe frische Natur, ich spüre Wärme. Der Winter war zwar nicht so kalt, wie in früheren Jahren, dennoch haben die Bäume lange Zeit mit kahlen Ästen sich gen Himmel gestreckt und alles war grau in grau. Nun ist das Leben wieder neu erwacht. Es ist Ostern geworden. Ich spüre es in meinem Herzen und in meiner Seele, dass das Leben etwas leichter wird. Auch wenn wir Abstand halten müssen in diesen Tagen, auch wenn wir zu Hause bleiben müssen, auch wenn unser Leben eingeschränkt ist, so zeigt uns die Natur, dass das Leben weitergeht, dass das Leben nicht stehenbleibt und in der Kälte verharrt. Wie gut, das unser Gott ein Gott des Lebens ist. Er will das Leben. Und er möchte, dass wir das Leben schätzen lernen, dass wir staunen über die Wunder die er vor unseren Augen schafft. Auch das Wunder aus dem Tod neues Leben wachsen zu lassen.

 

Ich mag sehr eine kleine Geschichte, die eine Kollegin mir vor einiger Zeit geschenkt hat:

 

Die Schmetterlingspuppe

 

Bekanntlich spinnt sich die Raupe in einen Kokon ein, um nach ihrer Metamorphose als Schmetterling zu entschlüpfen. Der Vorgang des Entschlüpfens ist außerordentlich schwierig. Der junge Schmetterling muss enorme Kräfte aufbieten, um die harte Kokonschale mit seinen zarten Flügeln zu sprengen. Wissenschaftler waren neugierig, was geschehen würde, sollte der Schmetterling dabei Hilfe erfahren. Als die Zeit reif war, öffneten sie von außen künstlich eine Reihe von Kokons. Die jungen Schmetterlinge krabbelten unversehrt heraus, aber sie flogen nicht. Kein Einziger von ihnen erhob sich in die Lüfte. Weil sie solcherart an keinen Blumennektar gelangen konnten, verhungerten sie.

 

Die Kraftanstrengung, den Kokon zum Bersten zu bringen, ist notwendig, damit die Tiere der Stärke ihrer Flügel vertrauen. Ohne die Erfahrung des selbständig Geleisteten wagen sie es nicht, den „sicheren“ Boden zu verlassen. Es braucht die Verwandlung, das Wunder, das schätzen Lernen des Lebens, das Spüren, das etwas uns neue Kraft verleiht, das nicht in unserer Hand liegt. Etwas, das uns stärkt und neues Leben schenkt. Es braucht die Kraft Gottes, die den Tod überwindet und das Leben ans Tageslicht bringt. Wir brauchen das Geschenk von Ostern, um das Leben neu zu schätzen und zu würdigen.

 

Darum lassen Sie uns  Ostern feiern, auch wenn wir es nicht zusammen tun können. Lassen Sie uns Ostern feiern, auch wenn wir Abstand halten müssen. Lassen Sie uns gemeinsam, so wie Petrus, wundern über das, was wir hören und lesen. Lassen Sie uns einander zusprechen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Wir brauchen Ostern, um Hoffnung zu haben auf  neues Leben. Wir brauchen die Hoffnung auf neues Leben gerade jetzt in Zeiten von Corona.

 

Unsere Gottesdienste mögen ausfallen, das gemeinsame Abendmahl wird wohl nicht stattfinden, ABER: Ostern findet statt.  

 

Bewahren Sie sich ein wenig von den Ritualen, die sonst zu diesem Fest für Sie gehören: das schöne Osterfrühstück oder der Osterbrunch, die bunten Ostereier, der Frühlingsstrauß auf dem Tisch, das Lesen der Osterbotschaft aus den Evangelien. Wir brauchen diese Rituale, um uns in die Tradition einzureihen und die Gemeinschaft miteinander, trotz Abstand, zu spüren. Wir brauchen sie, um den Halt und den Aufbrauch ins Leben zu finden.

 

 

 

Wir beten: (nach Kurt Rainer Klein)
An Ostern feiern wir das Leben, weil du, Herr, zu uns kommst in unsere Fragen und Zweifel, in unsere Ängste und Sorgen, in unsere Bitterkeit und Nöte.

 

Aber du, Herr, kommst auch in unsere Hoffnungen und Träume, in unsere Fürsorge und Zuwendung, in unser Angenommen- und Geliebtsein.

 

An all diesen Orten unseres Lebens begegnen wir dir als dem Lebendigen, der uns auferstehen lässt,

 

der uns auferweckt aus unserer Lähmung zu neuen Schritten, aus unserem Dunkel in ein helles Licht,

 

aus unserer Ohnmacht zu tragender Kraft, aus unserer Trägheit zu froher Lebendigkeit,

 

aus unserer Blindheit zu guter Einsicht.

 

Lass uns lebendig werden im Da sein für Andere, lass uns phantasievolle Wege finden, um füreinander da zu sein.

 

Wir danken dir für alle Menschen, die ihre Kraft für das Leben einsetzen.

 

Alles, was uns noch im Herzen ist und Worte braucht, nehmen wir mit hinein in die Worte unseres auferstandenen Herrn

 

Gemeinsam beten wir

 

Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme

 

Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

 

 

Lied EG 116

 

 

 

1. Er ist erstanden, Halleluja. Freut euch und singet, Halleluja.

 

Denn unser Heiland hat triumphiert, all seine Feind gefangen er führt.

 

Kehrvers Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod.

 

Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

2Er war begraben drei Tage lang. Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank;

 

denn die Gewalt des Tods ist zerstört; selig ist, wer zu Jesus gehört.

 

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod.

 

Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

3. Der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! Ihr suchet Jesus, hier ist er nicht.

 

Sehet, das Grab ist leer, wo er lag: er ist erstanden, wie er gesagt.«

 

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod.

 

Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

4 »Geht und verkündigt, dass Jesus lebt, darüber freu sich alles, was lebt.

 

Was Gott geboten, ist nun vollbracht, Christ hat das Leben wiedergebracht.«

 

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod.

 

Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

5 Er ist erstanden, hat uns befreit; dafür sei Dank und Lob allezeit.

 

Uns kann nicht schaden Sünd oder Tod, Christus versöhnt uns mit unserm Gott.

 

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod.

 

Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

 

 

Segen (von Katja Süß)

 

Gott segne deinen Weg, die sicheren und die tastenden Schritte,

 

die einsamen und die begleiteten, die großen und die kleinen

 

Gott segne deinen Weg, mit Atem über die nächste Biegung hinaus

 

Mit unermüdlicher Hoffnung, die vom Ziel singt, das sie nicht sieht

 

Mit dem Mut, stehenzubleiben und der Kraft, weiterzugehen.

 

Gottes Segen umhülle dich auf deinem Weg wie ein bergendes Zelt,

 

Gottes Segen nähre dich auf deinem Weg wie das Brot und der Wein

 

Gottes Segen leuchte dir auf deinem Weg wie das Feuer in der Nacht

 

Geh im Segen und gesegnet bist du Segen

 

Wirst du Segen

 

Bist ein Segen

 

Wohin dich der Weg auch führt

 

 

 

So segne und behüte dich der ewige Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Amen

 

 

 

 

 

 

 

Karsamstag, 11.4.2020

 

 

 

Zusammen, obwohl getrennt

 

Gemeinsam und dennoch jeder für sich

 

Vereint im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 88

 

2 HERR, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.

 

3 Lass mein Gebet vor dich kommen, neige deine Ohren zu meinem Schreien.

 

4 Denn meine Seele ist übervoll an Leiden, und mein Leben ist nahe dem Tode.

 

5 Ich bin denen gleichgeachtet, die in die Grube fahren, ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat.

 

6 Ich liege unter den Toten verlassen, wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen, derer du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand geschieden sind.

 

7 Du hast mich hinunter in die Grube gelegt, in die Finsternis und in die Tiefe.

 

8 Dein Grimm drückt mich nieder, du bedrängst mich mit allen deinen Fluten.

 

9 Meine Freunde hast du mir entfremdet, du hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich liege gefangen und kann nicht heraus,

 

10 mein Auge sehnt sich aus dem Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich; ich breite meine Hände aus zu dir.

 

11 Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken?

 

12 Wird man im Grabe erzählen deine Güte und deine Treue bei den Toten?

 

13 Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?

 

14 Aber ich schreie zu dir, HERR, und mein Gebet kommt frühe vor dich:

 

15 Warum verstößt du, HERR, meine Seele und verbirgst dein Antlitz vor mir?

 

16 Ich bin elend und dem Tode nahe von Jugend auf; ich erleide deine Schrecken, dass ich fast verzage.

 

17 Dein Grimm geht über mich, deine Schrecken vernichten mich.

 

18 Sie umgeben mich täglich wie Fluten und umringen mich allzumal.

 

19 Meine Freunde und Nächsten hast du mir entfremdet, und meine Verwandten hältst du fern von mir.

 

 

 

Gebet

 

Heute am Karsamstag rufen wir wieder zu dir und bitten dich um deine Nähe.  Wie der Psalmbeter des 88. Psalms ist fast nur Klage in uns. Wir müssen für uns bleiben, wir können einander nicht besuchen. Das Wetter ist so schön und doch können wir nicht die Freiheit genießen. Wir sind wie eingesperrt, vergraben in den vier Wänden. Herr, verbinde uns, lass uns spüren, dass wir nicht allein sind, dass wir viele sind, die zusammengehören. Lass uns das Miteinander suchen, auch über unsichtbare Grenzen hinweg. Besonders bitten wir aber um deine Nähe, sei bei uns, höre unsere Gebete, vernimm unser Rufen. Lass dich spüren. Amen

 

Lied 98

 

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

 

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -

 

Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:

 

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

 

wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.

 

Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?

 

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

 

unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -

 

hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:

 

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

 

 

Lukas 23, 50-56

 

50 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann

 

51 und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und wartete auf das Reich Gottes.

 

52 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu

 

53 und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte.

 

54 Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an.

 

55 Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde.

 

56 Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.

 

 

 

 

 

Ein paar Gedanken

 

 

 

Karsamstag, ein Tag, der im Kirchenjahr eigentlich gar nicht vorkommt. Er ist ein Tag dazwischen, zwischen dem schweren Karfreitag und dem aufblühenden Ostersonntag. Es ist der Tag der Grabesruhe. Jesus wird abgenommen vom Kreuz, das hohe Fest naht, da kann man einen Menschen nicht am Kreuz lassen. So eine öffentliche Zurschaustellung eines Getöteten passt nicht zu dem großen Fest der Erinnerung an die Befreiung aus der Knechtschaft aus Ägypten. Nur zu gerne gibt Pilatus der Bitte statt, den Leichnam Jesu zu begraben. Josef von Arimathäa kommt mit der Bitte zu Pilatus. Er muss wohl ein reicher und wohlhabender Mann mit etwas Einfluss gewesen sein. Und: er muss sich zu den Anhängern Jesu zählen, wie käme er sonst dazu, so etwas zu bitten. Ja, die Liebe zu Jesus war wohl so groß, dass er dem ganzen Geschehen nicht nur aus der Ferne zugeschaut hat, sondern so dicht dabei war, dass er mit den Frauen unter dem Kreuz und den Jüngern im Gespräch war. Ein frisches Grab, schon hergerichtet, herausgehauen aus den Felsen vor den Toren der Stadt, stellt er zur Verfügung. Ein letzter Dienst, ein Erweis seiner Liebe zu Jesus. Josef von Arimathäa scheint ein tatkräftiger Mann gewesen zu sein. Jemand, der keine Angst hatte vor dem Leid eines Menschen, jemand, der tut, was getan werden muss. Die Jünger tauchen kaum noch auf. Sie scheinen in Schockstarre zu verharren. Zu niederschmetternd ist das Geschehene der letzten Tage und Stunden. Sie begreifen nicht, wieso Jesus seine Macht nicht gezeigt hat. Sie verstehen nicht, wie Gott Jesus hat sterben lassen. Sie sind ohne Worte, wie gelähmt, erfüllt von Angst und unendlicher Traurigkeit. Vielleicht braucht es gerade in solchen Momenten einen Menschen, der vorher mit keinem Wort erwähnt wurde. Vielleicht braucht es jemanden, der einfach weiß, was getan werden muss, ohne groß zu fragen. Jemanden, der die Übersicht behält, einen klaren Kopf, wo die Köpfe der anderen so voll sind, so durcheinander, voller Fragen und Niedergeschmettertsein. Es war Rüsttag, so heißt es bei Lukas. Der Tag der Vorbereitung, der Tag der Ruhe vor dem großen Fest. Ruhe – und der Sabbat brach an. Der Sabbat ist im Judentum der Tag des Herrn. Da hat der Mensch Ruhe zu halten, sich zurückzunehmen um Gott zu ehren. 1000 Schritte darf jeder Jude an solch einem Tag nur tun, dazu keine Arbeit verrichten, eben: einfach Ruhe halten. Darum ziehen sich auch die Frauen wieder zurück, nachdem sie schauen konnten, wohin man Jesus gebracht hatte. Sie ziehen sich zurück, denn sie können und dürfen an diesem Tag nichts mehr tun. Da ein großer Stein vor das Grab gerollt wurde, mit großer Anstrengung, wissen sie, nun war der Leichnam erst einmal sicher verwahrt. Beruhigt gehen sie nach Hause. Erst wenn dieser Sabbat um sein wird, können sie wieder nach Jesus sehen, können sie ihm die Ehre und die Liebe erweisen, die man einem Verstorbenen entgegenbringt. Erst einen Tag später werde sie ihn waschen, salben und in neue Leichentücher wickeln, ihn vorbereiten für das endgültige Grab. Doch jetzt ist Ruhe. Über diesen Tag kann nicht mehr gesagt werden. Alle Evangelien sprechen nur von der Ruhe. Es ist wie ein Atemholen vor dem Osterfest. Man hört nur den Atem, ein und aus, ein und aus.

 

Viele Menschen wünschen sich in diesen Tagen auch solch ein Atemholen. All die Ärzte und Ärztinnen, die Schwestern und Pfleger in den Kliniken und Pflegeheimen, all diejenigen, die in den letzten Wochen aus der Anspannung und Anstrengung nicht herausgekommen sind. Oder auch die Verkäufer und Verkäuferinnen, die mit dem Einräumen der Regale kaum noch hinterher kommen und ständig in Gefahr stehen, wie die Mitarbeiter der Kliniken und Heimen sich anzustecken, weil der Kontakt zu anderen Menschen so hoch ist. Ein Atemholen der Fallzahlen, darauf warten wir alle. Wir hoffen, dass die Kurve der Ansteckungen fällt und die Zahl der Verstorbenen einmal stagniert. Einen Tag Ruhe, Atemholen für das, was noch kommt. Den Angestellten der Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte ist dieses Atemholen an den Feiertage jetzt gegönnt. Die Mitarbeiter der Kliniken und der Heime sind weiterhin im Dienst. Ich wünsche ihnen, dass sie auch ein paar Tage Ruhe an den Feiertagen erleben können und neue Kraft zu tanken für ihre lebenswichtige Aufgabe. Dass sie Menschen haben, Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie sich abwechseln können.

 

Karsamstag, der Tag der Grabesruhe Jesu. Ein Tag des Luftholens für die Menschen. Ein Tag der Vorbereitung auf das neue Leben.

 

Bleiben Sie behütet und gesund. Halten wir miteinander durch. Nach dem Dunkel muss es wieder hell werden.

 

 

 

 

 

Gebet

 

Herr, wir danken dir, dass du an unserer Seite bist, selbst da, wo es dunkel und schwer ist in unserem Leben. Da, wo wir nicht weiterwissen und nur noch mit Angst und Erschrecken um uns blicken. Du kennst die Tiefen unseres Lebens, du weißt, wie man vom Leben sich abgeschnitten fühlen kann.

 

Darum bitten wir dich: Mach uns Mut diese Zeit auszuhalten, schenke uns Durchhaltevermögen, einen klaren Kopf und die nötigen Liebe untereinander. Lass uns das tun, was nötig ist und aushalten, das wir manches nicht tun können.

 

Wir bitten dich für alle, die in diesen Wochen und Monaten so nah dran sind.

 

Nah dran an den Kranken und Sterbenden

 

Nah dran an den Pflegebedürftigen

 

Nah dran an den Einsamen

 

Lass uns sie unterstützen in dem, was sie tun. Wir wollen im Gebet für sie da sein und auch sonst tun, was wir können.

 

Wir bitten dich auch für alle Verantwortlichen in der Politik, hier in unserem Land und in den anderen Ländern der Erde. Lass sie den richtigen Weg finden, damit die Zahl der Opfer dieser Pandemie so klein wie möglich bleibt.

 

Wir bringen in der Stille alles vor dich, was uns noch auf dem Herzen liegt

 

  • Stille –

 

 

 

Gemeinsam beten wir

 

Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme

 

Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

 

 

Lied 256, 1

 

1. Einer ist’s, an dem wir hangen,

 

der für uns in den Tod gegangen

 

und uns erkauft mit seinem Blut.

 

Unsre Leiber, unsre Herzen

 

gehören dir, o Mann der Schmerzen;

 

in deiner Liebe ruht sich’s gut.

 

Nimm uns zum Eigentum,

 

bereite dir zum Ruhm deine Kinder.

 

Verbirg uns nicht das Gnadenlicht

 

von deinem heilgen Angesicht.

 

 

 

Der Herr segne euch und behüte euch

 

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über euch und sei euch gnädig

 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch seinen Frieden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Karfreitag, 10.4.2020

 

 

 

Wir sind jeder für sich und dennoch im Herzen zusammengerufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 22

 

 

 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

 

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

 

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

 

Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.

 

Unsere Väter hofften auf dich und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

 

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

 

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hier kein Helfer.

 

Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen.

 

Rühmt den Herrn, die ihr ihn fürchtet, ehret ihn, ihr alle vom Hause Jakob, und vor ihm scheuet euch, ihr alle vom Hause Israel!
Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen.

 

Und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen,  und als er zu ihm schrie, hörte er es.

 

Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten.

 

Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden und die nach dem Herrn fragen werden ihn preisen, euer Herz soll ewiglich leben.

 

Es werden gedenken und sich zum Herrn bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden

 

 

 

Gebet

 

Herr, sprachlos stehe ich vor deinem Tod, Jesus. Was Gott durch dich tut, dafür reichen meine Gedanken nicht aus, dafür ist mein Herz zu klein. Ich weiß nicht, wie nahe ich herankommen möchte an das, was auf Golgatha geschieht. Ich kann die Jünger verstehen, die entsetzt weglaufen. Oder wäre ich geblieben?

 

Gott, wir unausforschlich bist du. Denn du gehst den ganzen Weg. In Christus hast du das Kreuz auf dich genommen. Du trägst die Last wie ich, wie wir. Du schmeckst unseren Tod. Du willst bei uns sein.

 

Darum wollen wir uns dir anvertrauen, einsam, reglos, sprachlos. Gib uns zu erkennen, dass du uns die Hand reichst, auch wenn wir Gräben und Mauern bauen. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der am Kreuz starb und unser Herrn ist. Amen

 

 

 

 

 

Lied 93

 

1. Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,

 

der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,

 

das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,

 

das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

 

2. Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.

 

Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,

 

als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,

 

als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

 

3. Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,

 

ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah,

 

dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor;

 

und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

 

4. Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha.

 

Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!

 

Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu;

 

ja, wir dienen dir von Herzen; ja, du machst einst alles neu.

 

 

 

 

 

Lukas 22,39-23,49

 

39 Und er ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger.

 

40 Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!

 

41 Und er riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete

 

42 und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern a dein Wille geschehe!

 

43 Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.

 

44 Und er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.

 

45 Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit

 

46 und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!

 

47 Als er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesus, um ihn zu küssen.

 

48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?

 

49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?

 

50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab.

 

51 Da sprach Jesus: Lasst ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.

 

52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen.

 

53 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

 

54 Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne.

 

55 Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie.

 

56 Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm.

 

57 Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht.

 

58 Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht.

 

59 Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist ein Galiläer.

 

60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn.

 

61 Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

 

62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

 

63 Die Männer aber, die Jesus gefangen hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn,

 

64 verdeckten sein Angesicht und fragten: Weissage, wer ist's, der dich schlug?

 

65 Und noch mit vielen andern Lästerungen schmähten sie ihn.

 

66 Und als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten und führten ihn vor ihren Rat

 

67 und sprachen: Bist du der Christus, so sage es uns! Er sprach aber zu ihnen: Sage ich's euch, so glaubt ihr's nicht;

 

68 frage ich aber, so antwortet ihr nicht.

 

69 Aber von nun an wird der Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft Gottes.

 

70 Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, ich bin es.

 

71 Sie aber sprachen: Was bedürfen wir noch eines Zeugnisses? Wir haben's selbst gehört aus seinem Munde.

 

23,1 Und die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus

 

2 und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen: Wir haben gefunden, dass dieser unser Volk aufhetzt und verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.

 

3 Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Er antwortete ihm und sprach: Du sagst es.

 

4 Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.

 

5 Sie aber wurden noch ungestümer und sprachen: Er wiegelt das Volk auf damit, dass er lehrt hier und dort in ganz Judäa, angefangen von Galiläa bis hierher.

 

6 Als aber Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch aus Galiläa wäre.

 

7 Und als er vernahm, dass er ein Untertan des Herodes war, sandte er ihn zu Herodes, der in diesen Tagen auch in Jerusalem war.

 

8 Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen.

 

9 Und er fragte ihn viel. Er aber antwortete ihm nichts.

 

10 Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen dabei und verklagten ihn hart.

 

11 Aber Herodes mit seinen Soldaten verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Gewand an und sandte ihn zurück zu Pilatus.

 

12 An dem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher waren sie einander feind.

 

13 Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Oberen und das Volk zusammen

 

14 und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen, der das Volk aufwiegelt; und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, derentwegen ihr ihn anklagt;

 

15 Herodes auch nicht, denn er hat ihn uns zurückgesandt. Und siehe, er hat nichts getan, was den Tod verdient.

 

16 Darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben.

 

17 Er musste ihnen aber zum Fest einen Gefangenen losgeben.

 

18 Da schrien sie alle miteinander: Hinweg mit diesem, gib uns Barabbas los!

 

19 Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins Gefängnis geworfen worden.

 

20 Da redete Pilatus abermals auf sie ein, weil er Jesus losgeben wollte.

 

21 Sie riefen aber: Kreuzige, kreuzige ihn!

 

22 Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: Was hat denn dieser Böses getan? Ich habe nichts an ihm gefunden, was den Tod verdient; darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben.

 

23 Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei und forderten, dass er gekreuzigt würde. Und ihr Geschrei nahm überhand.

 

24 Und Pilatus urteilte, dass ihre Bitte erfüllt werde,

 

25 und ließ den los, der wegen Aufruhr und Mord ins Gefängnis geworfen war, um welchen sie baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen.

 

26 Und als sie ihn abführten, ergriffen sie einen Mann, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn, dass er's Jesus nachtrüge.

 

27 Es folgte ihm aber eine große Volksmenge und Frauen, die klagten und beweinten ihn.

 

28 Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.

 

29 Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben!

 

30 Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns!

 

31 Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden

 

32 Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden.

 

33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.

 

34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.

 

35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.

 

36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig

 

37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!

 

38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.

 

39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!

 

40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?

 

41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.

 

42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!

 

43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

 

44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,

 

45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei.

 

46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

 

47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!

 

48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.

 

49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

 

 

 

 

 

Ein paar Gedanken

 

 

 

Jeden Tag hören wir die neuesten Zahlen der Corona Krise. Die Zahlen der Infizierten, der Genesenen und vor allen Dingen die Zahlen der Verstorbenen. Täglich sehen wir im Fernsehen oder lesen in der Zeitung, wie wir Menschen eingeschränkt sind in der Bewegung, wie das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen ist und die Wirtschaft wohl die größte Rezession seit Jahrzehnten erlebt. Kurzarbeit, Abstand halten, lebensbedrohliche Krankheit, all das macht uns Angst. Bei laufender Kamera werden wir mit in die Intensivstationen der Klinik genommen. Haben wir das Gefühl, wir stecken mit drin, sind ganz nah bei denen, die das alles betrifft. Ja, haben wir überhaupt durch all die Medien noch Distanz zu den Betroffenen?

 

Und damals vor knapp 2000 Jahren, war es da anders?
Drei Menschen wurden umgebracht, auf grausamste Weise. Brutal ans Kreuz genagelt vor den Augen aller, die es sehen wollten. Und es waren nicht wenige, die herausgekommen waren, vor die Tore Jerusalems, auf den Galgenberg Golgatha. E
s
gab ja auch immer etwas zu bestaunen, und wenn es nur die weinenden Angehörigen waren, die Opfer am Galgen waren ohnehin bald ohnmächtig. Das kribbelnde Gefühl des Voyeurismus, liebe Gemeinde, ist kein Produkt unserer Zeit. Allerdings war die Bühne damals begrenzt, die Sensationen seltener als unser abendlicher Blick in die ganze Welt.

 

Außer den Betrachtern, den Zuschauern des Geschehens, gab es auch schon immer die Menschen, die man Betroffene nennt. Also Angehörige, Freunde, die urplötzlich so furchtbares Leid erfahren. Sie stehen unter Schock und können das Geschehen gar nicht fassen. Zu jenen haben damals die Jünger und auch die Frauen gezählt, von denen in den Evangelien berichtet wird. Mit Jesus hing noch mehr als nur ihr Verwandter oder Freund, noch mehr als nur ihr Lehrer am Galgen. Auf ihn hatten sie alle Hoffnung gesetzt, ihm bis ins Letzte vertraut. Mit Jesus waren auch ihre Hoffnungen gekreuzigt, festgenagelt, stumm und tot geworden. Nun war er, Jesus, ihre Hoffnung tot, noch dazu auf diese schreckliche Weise.

 

Wie war das zu verstehen? Wie hatte Gott das zulassen können? Wie hatte er ihnen das antun können? Wie sollte es weitergehen, nach diesem Karfreitag? Konnte es nach dem Karfreitag überhaupt weitergehen? In der Ratlosigkeit und in den Fragen war es wichtig, das spürten sie, dass sie beisammenblieben und füreinander da waren. Noch wichtiger aber war, dass ihnen Worte einfielen, die das finstere Geschehen wieder hell machten. Diese Worte standen nirgends anders als in den heiligen Schriften des Volkes Israel. Vor einem halben Jahrtausend hatte sie einer der Schüler Jesajas niedergeschrieben. Vielleicht beschrieb er darin das Schicksal eines einzelnen Propheten, vielleicht auch des Volkes Israel. Für die Anhänger Jesu öffneten diese alten Worte eine Tür, um das furchtbare Geschehen um Jesus zu begreifen und schließlich anzunehmen.

 

Es ist der Text, den wir heute das 4. Lied vom Gottesknecht nennen.

 

Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart? Er schoß auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

 

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg, darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Straße liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaft, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. Sollte ihn der Herr zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des Herrn Plan wird durch seine Hand gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den vielen Gerechtigkeit schaffen, denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

 

Wie wichtig diese Verse für die frühen Gemeinde gewesen sind, können wir daran sehen, dass der Evangelist Lukas schon von einem Menschen erzählt, der in diesem Buch liest: Der Kämmerer aus Äthiopien studiert diese Verse, als Philippus ihm zum Wegbegleiter wird und ihm die Schrift auf Jesus hin auslegt. Er lässt sich als einer der ersten Nichtjuden taufen.

 

Wir Christen können diese Worte nicht anders als von Golgatha her verstehen und lesen. Diese Worte aus dem alten Testament helfen uns nämlich die sinnlose Hinrichtung Jesu, inmitten von Verbrechern, als Weg Gottes zu unserem Heil auch heute noch zu deuten. Wie aber sieht diese Hilfe aus? Der Prophet beleuchtet das Leiden des Gottesknechts von verschiedenen Seiten her. Zunächst kommt bei ihm Gott selbst zu Wort: Siehe, meinem Knecht wird´s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Das heißt doch: Dieser Tod ist keine Endstation. Auch wenn es so scheint, dass der Knecht Gottes qualvoll leidet und stirbt, das ist nur der eine Teil er Wahrheit. Gott wird gerade ihn annehmen und erhöhen. Vor ihm werden sich sogar die Mächtigen beugen müssen. Wir kennen diese Deutung auch aus dem Neuen Testament. Vor allem für Johannes, dem vierten Evangelisten, ist schon das Kreuz Jesu keine Erniedrigung, sondern der Beginn der Erhöhung, ein Schritt auf dem Weg Jesu zu seinem Vater. Der Prophet verlässt dann jedoch in unserem Text diese Perspektive und stellt sich auf die Seite der Menschen: Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen --- er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.

 

Mit diesem Blick auf den leidenden Gottesknecht, bringt ihn uns der Prophet ganz nah. Für uns, wenn wir diese Worte hören, dann können wir nicht mehr all diese Geschehnisse aus der Distanz betrachten. Dann können wir angesichts des Leidens nicht bei den Schaulustigen stehen bleiben, sondern müssen uns zu denen stellen, die betroffen sind, die Angehörige sind, die dazu gehören. Christi Leib für dich gegeben, Christi Blut für dich vergossen, im Abendmahl wird diese Verbindung, diese Nähe, der wir nicht mehr ausweichen können und sollten, besonders deutlich.

 

Dieses Kreuz, dieses Leiden des Gottesknechtes wird damit, zu einem Bild der Gnade Gottes. Und es ist noch mehr. Nicht nur Gnade drückt es aus, sondern auch Hoffnung. Hoffnung, weil dieser Gottesknecht nicht ferne von uns ist, sondern sich an unsere Seite stellt: Durch seine Erkenntnis, wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen, denn er trägt ihre Sünden. Liebe Gemeinde, die Frage nach Gottes Nähe, Gottes Gegenwart im Leiden, die Frage, wie er Krankheiten und Grausamkeiten zulassen kann, bekommt hier eine neue Richtung. Gott trägt das Gesicht eines leidenden Menschen. Er schaut nicht aus der Distanz zu, sondern leidet mit und verheißt uns allen das Ende alles Leidens auf dieser Welt. Er wird den vielen Gerechtigkeit verschaffen. Auf die Erfüllung dieser Verheißung warten wir, gemeinsam mit dem Volk Jesu bis heute.

 

 

 

Ich möchte noch einmal zurückkehren zu unserem Umgang mit Bildern des Leidens heute. Ich denke schon, dass unser Glaube, dass speziell die Erfahrung des Karfreitages uns eine besondere Verantwortung gibt. Der leidende Gottesknecht, der hingerichtete Jesus, sind Urbilder unseres Glaubens, die uns auch in den Bildern von Opfern, egal wodurch, begegnen. Wir müssen aufpassen, dass die Bilder dieser Tage, die Bilder der Menschen auf den Intensivstationen oder anderer, die leiden, oder der dutzenden Särge in irgendwelchen Lagerhäusern uns nicht irgendwann abstumpfen lassen, sondern das Leiden dahinter sehen lassen, den Schmerz vieler, die Not und die Angst. Das Erschrecken über solche Bilder ist jedoch nur eine Seite dieser Sache. Diese Bilder gibt es doch auch deshalb täglich in den Medien, weil so viele Menschen diese Bilder sehen wollen. Die Beruhigung, nicht selbst betroffen zu sein, dieses Knistern und Schaudern, wie nahe Tod und Leben beieinander sein können - wer kann sich davon schon ganz frei sprechen?

 

Natürlich kann es auch nicht darum gehen, die Schrecken dieser Welt zu verschweigen und zu ignorieren. Es muss jedoch auf eine Weise geschehen, die die Würde der Menschen in einer derartigen Lage achtet und respektiert. Es geht darum, die Grenzen des anderen zu achten, sich nicht selbst zum gaffenden Zuschauer durch die Kamera machen zu lassen. Auch im Blick auf das Kreuz Jesu stehen wir in der Gefahr, auf Distanz zu bleiben. Wir kennen dieses Bild eigentlich zu genau. Es beruhigt, weil es so vertraut ist. Der hier leidet, ist ja ein anderer, noch dazu ein Besonderer, ein Knecht Gottes. Wir haben uns schon zu sehr an dieses Kreuz gewöhnt. Dass dieses Leiden mit uns zu tun hat, das ruft der Prophet in Erinnerung. Es hat mit uns zu tun, weil es unserem Leiden hier eine Perspektive gibt, und einen Menschen, der zur Seite steht. Deshalb kann es auch nicht die Lösung sein, wegzusehen, das Leiden zu ignorieren. Vielmehr geht es darum, wie ich das Leiden betrachte und was ich selbst mit mir machen lasse. Identifiziere ich mich mit den Menschen, deren Leid ich sehe oder bleibe ich Beobachter mit dem wohligen Gefühl, jederzeit abschalten zu können? Berührt mich das, was ich sehe, oder kann ich mich hineinversetzen? Bin ich selbst noch verletzlich, oder durch die immer wiederkehrenden Bilder so abgestumpft, dass ich ein Einzelschicksal nicht sehe, dass mich die Masse der Bilder blind macht für ein einzelnes, vielleicht sogar die Not meines Nachbarn?
Die Flut der Bilder macht es schwer, sich diese
n
Fragen immer zu stellen. Ein Bild sollte es jedoch für immer verhindern, uns zu gleichgültigen Betrachtern zu machen: Das Bild des Gekreuzigten, auf dem sich Gott selbst eingereiht hat in die Leidenden der Welt. Durch ihn dürfen wir wissen, dass Gott auch bei uns ist, wenn wir einmal selbst zu spüren bekommen, was Leiden ist und wie schwer es ist, einen Menschen oder einen Teil seines eigenen Lebens zu verlieren. Wie gut, dass Gott vor unserem Leid nicht abschaltet, wie gut aber auch, dass er kein neutraler Beobachter geblieben ist, sondern selber einer der Leidtragenden geworden ist, der uns im Mittragen und Mitleiden, durch diesen Karfreitag eine neue Perspektive schenkt.

 

Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

 

Wir beten

 

Herr, was hat sich geändert in dieser Welt durch dich? Manchmal meinen, es habe sich nichts geändert: Weiterhin hungern Menschen, werden Rassen diskriminiert, werden Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt, wird gefangen, gefoltert, gequält, geschossen, ringen Viren uns Menschen nieder.

 

Was hat sich bei uns geändert? Wir leben immer jeden Tag neu in unsere Gewohnheiten, wälzen unsere Problemen, es gibt weiterhin offen Fragen, Entscheidungen müssen getroffen werden, die uns schwerfallen.

 

Und doch hat sich Wesentliches geändert: auf dieser Erde steht dein Kreuz als Zeichen für eine neue Welt, als Zeichen deiner Gerechtigkeit und Liebe, als Zeichen der Hoffnung für alle Menschen!

 

Dein Kreuz erinnert uns: Du bist nicht gegen diese Welt gestorben, sondern für sie, für die Verzweifelten und Trauernden, für die Mühseligen und Beladenen, für die Schuldigen und Zweifelnden.

 

Du bist gestorben für die Hungernden und Flüchtlinge, für die Tyrannen und die, die Tyrannei erleiden müssen.

 

Du bist gestorben für die Frommen und die, die sich abgewandt haben – und gerade auch für die, denen es schwerfällt, das zu glauben.

 

Du bist gestorben für die Kranken und die Gesunden, für die Infizierten und Nicht-Infizierten.

 

Herr, lass uns mithelfen, dass das Kreuz kein Schmuckstück ist, sondern das Zeichen unseres Bekenntnisses, unter dem wir antreten, um dein Heil und deine Liebe, deine Hoffnung und deine Hilfe bekanntzumachen und vorzuleben. Lass uns an der Seite derer sein, die unsere Hilfe brauchen. Lass uns Phantasie entwickeln, wie wir Grenzen überwinden und dennoch den nötigen Abstand halten.

 

Und lass uns die unterstützen und stärken, die ihre ganze Kraft für andere einsetzen und manchmal kaum wissen, woher sie noch Kraft bekommen können.

 

Herr, wir legen Sie alle an dein Herz

 

In unsere Fürbitte schließen wir alle ein, für die wir in der Stille beten

 

  • Stille

 

 

 

Gemeinsam beten wir

 

Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme

 

Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

 

 

Lied 256, 1

 

1. Einer ist’s, an dem wir hangen,

 

der für uns in den Tod gegangen

 

und uns erkauft mit seinem Blut.

 

Unsre Leiber, unsre Herzen

 

gehören dir, o Mann der Schmerzen;

 

in deiner Liebe ruht sich’s gut.

 

Nimm uns zum Eigentum,

 

bereite dir zum Ruhm deine Kinder.

 

Verbirg uns nicht das Gnadenlicht

 

von deinem heilgen Angesicht.

 

 

 

Der Herr segne euch und behüte euch

 

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über euch und sei euch gnädig

 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch seinen Frieden.

 

 

 

Gründonnerstag, 9.4.2020

 

 

 

Wir wollen uns auch heute am Gründonnerstag verbinden im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 23

 

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

 

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

 

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

 

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

 

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

 

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

 

 

Gebet

 

Herr, heute am Gründonnerstag erinnern wir uns an deinen letzten Abend mit deinen Jüngern und an das Mahl, dass du mit guten und gewichtigen Worten uns schenkst, damit wir auch heute uns immer wieder an diesen letzten Abend erinnern, wenn wir es in deinem Namen feiern. Dein Mahl ist ein Zeugnis von Gemeinschaft, ein Geschenk der Liebe an uns. Auch wenn wir dies heute nicht gemeinsam erleben können, so lass uns doch die Gemeinschaft spüren. Komm in unsere Mitte und stärke uns. Sei bei uns jeden Tag. Das bitten wir dich, unseren Herrn des Lebens.

 

Amen

 

 

 

Lied 221

 

1. Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen:

 

wir sind, die wir von einem Brote essen,

 

aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder,

 

Schwestern und Brüder.

 

2. Wenn wir in Frieden beieinander wohnten,

 

Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten,

 

dann würden wir den letzten heilgen Willen

 

des Herrn erfüllen.

 

3. Ach dazu müsse deine Lieb uns dringen!

 

Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen,

 

dass unter einem Hirten eine Herde

 

aus allen werde.

 

 

 

 

 

Lukas 22, 7-38

 

7 Es kam nun der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passalamm opfern musste.

 

8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit wir's essen.

 

9 Sie aber fragten ihn: Wo willst du, dass wir's bereiten?

 

10 Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht,

 

11 und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern?

 

12 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen ist; dort bereitet es.

 

13 Sie gingen hin und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.

 

14 Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm.

 

15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide.

 

16 Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes.

 

17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch;

 

18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt.

 

19 Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.

 

20 Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!

 

21 Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch.

 

22 Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; doch weh dem Menschen, durch den er verraten wird!

 

23 Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde.

 

24 Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten solle.

 

25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen.

 

26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.

 

27 Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist's nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener.

 

28 Ihr aber seid's, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen.

 

29 Und ich will euch das Reich zueignen, wie mir's mein Vater zugeeignet hat,

 

30 dass ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

 

31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.

 

32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.

 

33 Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

 

34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.

 

35 Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals.

 

36 Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Geldbeutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche, und wer's nicht hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert.

 

37 Denn ich sage euch: Es muss das an mir vollendet werden, was geschrieben steht (Jesaja 53,12): »Er ist zu den Übeltätern gerechnet worden.« Denn was von mir geschrieben ist, das wird vollendet.

 

38 Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.

 

 

 

Ein paar Gedanken

 

Ein Text, der uns sicherlich gut bekannt ist. Jesus sitzt mit seinen Jüngern am Tisch, so wird erzählt. Sie essen und trinken miteinander. Vielleicht schaut er seine Jünger an, jeden einzelnen, die, die ihn und seine Botschaft nach Ostern weitersagen sollen. Und er schaut auch den an, der ihn verraten wird. Und er spricht es sogar auch aus: Wahrlich ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten! Einer von seinen engsten Freunden wird es sein, einer der Zwölf. Einer, der so viele Wege schon mit ihm gegangen ist, so vieles durchgestanden hat. Einer wird ihn verraten, das ist schon beschlossene Sache, da lässt sich nichts mehr dran ändern. Die Jünger schauen sich erschrocken an und fragen sich ganz ängstlich: Wer wird es wohl sein? Jesus hat keinen Namen genannt, darum fragen sie einer nach dem anderen: Bin ich es?

 

Keiner scheint sich wirklich sicher zu sein, ob er nicht selbst Jesus verraten könnte. Jeder weiß um seine eigene Unvollkommenheit, die Möglichkeit des Versagens in der Nachfolge. Und wir wissen heute ja auch, wie recht sie hatten, dass jeder dieser Zwölf den Herrn verriet, jeder auf seine Weise. Dass sie z.B. schliefen, als er sich im Garten Gethsemane ängstigte, dass sie flohen, als er gefangen genommen wurde, dass sie ihn verleugneten, als er vor Gericht stand und dass sie nicht an seiner Seite waren, als die dunkelste Stunde seines Lebens anbrach, die Stunde der Kreuzigung und des Todes. So gesehen ist Judas letztlich kein Einzelfall. Bin ich es? Diese Frage ist hier an dieser Stelle also berechtigt und die Antwort muss nicht unbedingt Judas lauten.

 

Liebe Gemeinde, könnten wir uns nicht heute auch diese Frage stellen? Bin ich es? Könnten wir uns nicht einreihen in die Reihe der Jünger hier an seinem Tisch? Wir wollen doch auch Gemeinschaft haben mit Jesus und trotzdem sind wir in seiner Nachfolge nicht vollkommen. Auch wir haben unsere Schwächen, wo uns anderes wichtiger ist als der Glauben, wo wir doch nur nach unserem eigenen Vorteil schauen und wo wir Kompromisse machen um ja nicht anzuecken. Haben wir nicht oft geschwiegen, wo wir als Christen etwas hätten sagen müssen, wie z.B. bei den vielen Kriegen immer wieder. Ich habe das Gefühl, wir schreien noch zu leise gegen die Greueltaten, die überall in der Welt immer wieder geschehen und immer weiter gehen. Während wir das Osterfest feiern, gibt es noch genug Leid auf dieser Welt auch ohne Corona-Virus, wo Menschen gerne wegsehen wollen. Gewalt in Familien, Gewalt gegen Kinder, Mobbing und manches mehr. Gewalt ist keine Lösung, das wissen wir, und dennoch lassen wir sie zu ohne einzugreifen! Wir müssen nicht Gott die Frage stellen: Warum?, sondern uns.

 

Liebe Gemeinde, diese Einsicht der Unvollkommenheit, der eigenen Ohnmacht, der Schwächen und Fehler ist schmerzlich, es tut weh und es macht traurig. Hier sind wir den Jüngern sehr nah.

 

Jesus kennt seinen Verräter, den, der ihn ans Kreuz liefern wird, so erzählt es Lukas. Aber dennoch geschieht jetzt etwas, das man sicherlich nicht erwartet hätte. Denn Jesus gewährt auch weiterhin dem Verräter Gemeinschaft am Tisch, an diesem letzten gemeinsamen Essen und Trinken. Auch für ihn gilt das, was Karfreitag und Ostern geschehen wird. Auch ihm, dem Judas, soll das Geschenk des Lebens nicht vorenthalten werden, die Vergebung der Schuld und die Hoffnung auf einen neuen Anfang.

 

Keiner ist am Tisch des Herrn unwillkommen. Keiner, nicht einmal der Verräter des Herrn. Denn hier geht es tatsächlich um Vergebung, um die einzigartige Gnade, die Gott für die ganze Welt schaffte. Gott ist kein strafender Gott, das soll hier im Abendmahl deutlich werden. Er ist barmherzig, auch wenn uns das bei manchen Menschen gar nicht passt. ER ist barmherzig, denn im Kreuz Jesu nimmt er selbst die Strafe, die wir Menschen verdient hätten, auf sich. Egal, was wir auch getan haben, egal wie schuldig wir uns vielleicht gemacht haben oder wie unvollkommen wir uns fühlen. Am Kreuz hat Jesus all unsere Schuld und unsere Unvollkommenheit auf sich genommen – er hat für uns gesühnt und damit den Weg zu einem neuen Leben geöffnet. Ein Leben, das aber dann auch Konsequenzen haben muss, ein Leben, das immer wieder versuchen soll, den richtigen Lebensweg einzuschlagen, ein Leben, das neu gelebt werden will mit einem positiven Vorzeichen, nämlich dem Kreuz.

 

Das ist mein Leib! Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird! Hier in diesen Worten des letzten Mahles Jesu mit seinen Jüngern ist das Geschenk der Gnade Gottes ein für alle mal fest geschrieben, und als Guthaben versiegelt, für jeden, der dieses Mahl empfängt. Jedes Abendmahl, verbindet uns so mit diesem ersten und mit denen, die dieses Abendmahl gefeiert haben. Es verbindet uns untereinander als eine Gemeinschaft, der die Gnade Gottes verheißen ist und im Mahl gegeben wird. Das Abendmahl ist darum viel mehr als nur Essen und Trinken. Damals, wie heute. Denn in ihm ist unser Herr Jesus Christus mit seinen Gaben gegenwärtig. So enthält es den Schatz unsers Glaubens, von dem wir, immer dann, wenn wir es wollen, uns reich beschenken lassen können. Sicher, jetzt zur Zeit von Corona, können wir dieses Gemeinschaftsmahl nicht zusammen feiern, aber wir können zu Hause ein jeder für sich eine Kerze anzünden, wir können uns diese Geschichte des ersten Abendmahls lesen, können beten und mit den Menschen, die in meinem Haushalt sind uns dieses Geschenkes vergegenwärtigen. Und wir alle können uns schon jetzt darauf freuen, wie wohltuend das erste Mal sein wird, wenn wir wieder gemeinsam Gottesdienst mit Abendmahl im Wichernhaus feiern können.

 

Dieses letzte Abendmahl der Jünger mit Jesus ist wie die Einrichtung eines Sparbuches gewesen. Und das Guthaben dieses Buches besteht aus Liebe, Vergebung, Barmherzigkeit und Hoffnung – all den Dingen, ohne die wir Menschen doch nicht leben und zusammenleben könnten. Und jede Abendmahlsfeier ist, als ob wir zur Bank gehen, um von diesem Sparbuch etwas abzuheben. Etwas, wenn wir verzweifelt sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll, um hier Hoffnung und Wegweisung zu finden. Oder wenn wir unter Krankheit zu leiden haben und sich alles um uns herum verdunkelt, um hier mit Trost und Geborgenheit beschenkt zu werden. Oder vielleicht auch, weil wir schuldig geworden sind, und diese Belastung nicht mehr aushalten, um hier dann Vergebung zu erfahren und Kraft für einen neuen besseren Weg.

 

Liebe, Trost, Zuspruch, Hoffnung und Glaube sind von Jesus eingezahlt auf dieses Sparbuch. Lassen sie uns heute am Gründonnerstag in Corona-Zeiten, trotz des gebotenen Abstands, innerlich von diesem Sparbuch Gottes für unser Leben etwas abheben, damit wir Trost und Geborgenheit, sowie eine gute Portion Hoffnung für diese schweren Zeiten erfahren.

 

Bleiben Sie behütet und  bewahrt. Bleiben Sie gesund und gestärkt.

 

 

 

Herr, unser Gott, das Abendmahl und die Erinnerung daran schenkt uns Gemeinschaft mit Dir und den Menschen. Wir beten für Menschen,

 

  • die dich nicht erfahren oder finden können

  • die im Zorn über dich verharren

    wir beten für Menschen

  • die sich nach Vergebung und Angenommenwerden sehnen

  • die den ersten Schritt tun wollen und fürchten, abgewiesen zu werden

    wir beten für Menschen,

  • die unter der Einsamkeit leiden

  • die sich über nichts mehr freuen können

    Wir beten für Menschen,

  • die nach Verbündeten suchen und Hilfe brauchen

  • die gefangen sind in ihrer Krankheit

    Wir bitten für Menschen,

  • die ihren Halt bei dir gefunden haben

  • die sich für andere verausgaben und dabei sich selbst vergessen

    wir bitten für  Menschen,

  • die in deiner Kirche Heimat finden

  • die ihren Glauben vor den Menschen bezeugen

    In der Stille beten und bitten wir für die Menschen, die uns am Herzen liegen

     

 

  • Stille

 

 

 

Gemeinsam beten wir

 

 

 

Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme

 

Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen

 

 

 

Lied: 164

 

Jesus, stärke deine Kinder

 

und mach aus denen Überwinder,

 

die du erkauft mit deinem Blut!

 

Schaffe in uns neues Leben,

 

dass wir uns stets zu dir erheben,

 

wenn uns entfallen will der Mut!

 

Gieß aus auf uns den Geist,

 

dadurch die Liebe fließt

 

in die Herzen:

 

so halten wir getreu an dir

 

im Tod und Leben für und für.

 

 

 

Der Herr segne euch und behüte euch

 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig

 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch seinen Frieden.

 

Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 8.4.2020

 

 

 

Wir verbinden unsere Herzen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 139 i.A.

 

 

 

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

 

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

 

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

 

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

 

 

 

1. Ins Wasser fällt ein Stein,

 

ganz heimlich still und leise,

 

und ist er noch so klein,

 

er zieht doch weite Kreise.

 

Wo Gottes große Liebe

 

in einen Menschen fällt,

 

da wirkt sie fort

 

in Tat und Wort,

 

hinaus in unsre Welt.

 

2. Ein Funke, kaum zu sehn,

 

entfacht doch helle Flammen,

 

und die im Dunkeln stehn,

 

die ruft der Schein zusammen.

 

Wo Gottes große Liebe

 

in einem Menschen brennt,

 

da wird die Welt

 

vom Licht erhellt,

 

da bleibt nichts, was uns trennt.

 

3. Nimm Gottes Liebe an.

 

Du brauchst dich nicht allein zu mühn,

 

denn seine Liebe kann

 

in deinem Leben Kreise ziehn.

 

Und füllt sie erst dein Leben,

 

und setzt sie dich in Brand,

 

gehst du hinaus,

 

teilst Liebe aus,

 

denn Gott füllt dir die Hand.

 

 

 

Gebet

 

Wir stehen vor dir, Herr und suchen deine Nähe. Wir sehnen uns nach Gemeinschaft, nach Miteinander. Wir sehnen uns nach gemeinsamem Singen, Beten und Hören auf dein Wort. Lass uns dies trotz der räumlichen Trennung voneinander dennoch in diesen Wochen erleben. Verbinde uns. Das bitten wir in deinem Namen. Amen

 

 

 

Lukas 21, 1-4

 

Das Scherflein der Witwe

 

1 Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen ihre Opfer in den Gotteskasten einlegten.

 

2 Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein ein.

 

3 Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt.

 

4 Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluss zu den Opfern eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte.

 

 

 

Ein paar Gedanken

 

Vom Opfer bringen wird in diesen Tagen und Wochen viel gesprochen. Opfer, die wir alle bringen müssen, Abstand halten, nur nach draußen gehen, wenn es sein muss, nicht mehr als zwei Menschen an einer Stelle, nicht mehr Oma und Opa besuchen dürfen, Kinder können nicht mehr in die Kita oder in die Schule, am besten mit Mundschutz einkaufen, Kinos zu, Restaurantbesuche nicht mehr möglich, ja sogar unsere Gottesdienste können nicht in gewohnter Weise stattfinden. Wir werden ganz auf uns und die Menschen, mit denen wir in einem Haushalt zusammenleben, zurückgeworfen. Gerade bei denen, die auch sonst alleine leben, kann dieses Opfer so groß werden, dass sie noch mehr vereinsamen und diejenigen, die mit anderen zusammenleben, laufen Gefahr, dass Konflikte zu Tage treten, denen man nicht einmal mehr ausweichen kann. Psychologen warnen vor der Zunahme von häuslicher Gewalt, aber eben auch vor Überforderung oder Vereinsamung. Zu all dem kommen die Angst um Ansteckung und die Sorge um Andere. Und dort, wo das Virus schon zugeschlagen hat, bekommt die Angst noch einmal eine neue Qualität. Gleichzeitig wissen wir, dass diese Opfer gebracht werden müssen. Abstand halten muss sein, wenn wir eine Chance haben wollen, dieses Virus im Schach zu halten. Und so bringen wir alle dieses Opfer der weitgehenden  Isolation, so weit es eben geht. Neben unserem Opfer gibt es aber noch eine andere Qualität von Opfern: gemeint sind die wirklichen Opfer dieser Pandemie, die Erkrankten und ihre Angehörigen. Es ist schon schmerzlich zu hören, dass Angehörige nicht mehr zu den Erkrankten dürfen. Sogar wenn der Tod droht, ist Nähe nicht mehr möglich, Beistand der Nächsten nicht mehr machbar. Selbst das Abschiednehmen am Grab kann nur auf sehr reduzierte Weise stattfinden. Was diese Folgen der Pandemie mit den Herzen und den Seelen der Menschen machen werden, können wir jetzt vielleicht noch gar nicht abschätzen. Es fehlen die Umarmung, das Spüren, dass man nicht allein ist, das man getragen wird und vieles mehr.

 

Gleichzeitig erleben wir, dass Solidarität wächst. Dass Zuwendung durch Phantasie neue Formen entwickelt. Fremde kaufen für Andere ein. Nachbarn, die noch kaum ein Wort miteinander gewechselt haben, stehen abends auf den Balkonen und machen gemeinsam Musik oder applaudieren den vielen Mitarbeitern, die in Kliniken oder Altenheimen Menschen Nähe schenken. Auf einmal wächst Zusammenhalt, wo man sich zuvor mit Gleichgültigkeit begegnet ist. Es gibt Menschen, die wachsen plötzlich über sich hinaus. Sie nähen Masken, engagieren sich bei Wohltätigkeitsorganisationen und vieles mehr. Auch wenn wir eine physische Distanz erleben, die soziale Distanz schwindet. Und das Schöne ist, jeder kann etwas tun für die soziale Nähe. Nicht nur die, die das Kleingeld dafür haben, sondern jeder in seinem Bereich mit seiner Phantasie. Wenn es etwas Gutes an dieser Pandemie geben sollte, dann kann es vor allem dies sein: es gibt viel mehr Menschen, die das wirklich Wichtige im Leben erkannt haben: Gemeinschaft, Füreinander da sein. Die Frage, die offen bleibt ist: Wie wollen wir nach Corona weiterleben? Wie sollen die Opfer, die wir jetzt bringen, unser Leben verändern? Ich kann mir gut vorstellen und wünsche es mir auch, dass die soziale Nähe auch nach Corona bleibt und eine neue Qualität in unser Leben bringt. Ich wünsche mir außerdem, dass wir spüren, wie gut es tut Verantwortung füreinander zu übernehmen.

 

Die Witwe in der Geschichte aus dem Lukasevangelium hat dies erkannt. Sie hat für dieses Miteinander, für die soziale Nähe alles gegeben, was sie konnte. Sie wusste, nur so kann es gehen.

 

Diese Öffnung für die Menschen neben uns und das Spüren, dass so viel zurückkommt, wünsche ich uns allen. Jetzt in Zeiten von Corona und vor allen Dingen nach Corona.

 

Bleiben Sie behütet und gesund.

 

 

 

 

 

Gebet:

 

Herr, wir vertrauen auf dich, du weckst in uns das Gute.

 

Deine Liebe ist unser Maßstab, der Glaube an dich stärkt unsere Herzen,

 

die Hoffnung auf deine Barmherzigkeit und Gnade beflügelt uns im Hier und Jetzt.

 

Wir bitten dich für alle Menschen, die im Moment nicht wissen, auf was sie bauen können.

 

Wir bitten dich für alle, die das Gefühl haben, dass der Boden unter ihnen schwindet.

 

Wir bitten dich für alle, die nach einem Halt suchen

 

Lass dich finden, lass dich spüren, komm hinein in unser Leben und lehre uns dir zu vertrauen.

 

Wir bitten dich für alle, die nicht nur in dieser Zeit besonders ihre Kraft einsetzen, um anderen zu helfen. Sei es in den Krankenhäusern oder Altenheimen, sei es im öffentlichen Dienst, in den Supermärkten oder den Apotheken, sei es in den Betrieben oder wo auch immer man zum Wohl der Menschen arbeitet.

 

Schenke ihnen jeden Tag die Kraft und Energie, die Phantasie und Liebe, die sie brauchen.

 

Wir bitten dich für uns alle, dass wir die Gemeinschaft auch über unsichtbare Grenzen hinaus erleben. Lass uns spüren, dass du uns immer wieder im Herzen zusammenrufst und Gemeinschaft schenkst.

 

Sei bei uns. Wir vertrauen auf dich, denn du zeigst uns, was im Leben wirklich wichtig ist.

 

Wir beten gemeinsam

 

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme, Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit In Ewigkeit. Amen

 

 

 

Gott segne Sie! Gott behüte Sie! Er lege auf Sie seinen Frieden! Amen!

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 7.4.2020

 

 

 

Im Herzen sind wir verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 118 i.A.

 

 

 

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

 

Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

 

Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

 

Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.

 

Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

 

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

 

Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

 

Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

 

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

 

 

 

Lied 432

 

1. Gott gab uns Atem, damit wir leben.

 

Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

 

Gott hat uns diese Erde gegeben,

 

dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

 

Gott hat uns diese Erde gegeben,

 

dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

 

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören.

 

Er gab uns Worte, dass wir verstehn.

 

Gott will nicht diese Erde zerstören.

 

Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 

Gott will nicht diese Erde zerstören.

 

Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln.

 

Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

 

Gott will mit uns die Erde verwandeln.

 

Wir können neu ins Leben gehn.

 

Gott will mit uns die Erde verwandeln.

 

Wir können neu ins Leben gehn.

 

 

 

Gebet

 

Herr, du bist in unsere Welt gekommen, um uns zu retten und zur Liebe zur rufen. Sieh unser Leben an, sieh, was wir täglich tun und lassen, sieh, wo wir dich loben und wo wir dir wehtun. Herr, lass uns noch mehr versuchen, nach deinen Worten zu leben. Wir wollen unser Leben noch fester auf dich gründen und noch mehr nach dir fragen. Gib uns dazu im Wirrwarr unseres täglichen Lebens immer wieder neue Kraft. Verbinde uns im Glauben an dich, auch wenn wir die Gemeinschaft miteinander nun neu suchen müssen. Amen

 

 

 

Lukas 20,9-19

 

9 Er fing aber an, dem Volk dies Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes für eine lange Zeit.

 

10 Und als die Zeit kam, sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm seinen Anteil gäben an der Frucht des Weinbergs. Aber die Weingärtner schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.

 

11 Und er sandte noch einen zweiten Knecht; sie aber schlugen den auch und verhöhnten ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.

 

12 Und er sandte noch einen dritten; sie aber schlugen auch den blutig und stießen ihn hinaus.

 

13 Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen lieben Sohn senden; vor dem werden sie sich doch scheuen.

 

14 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das ist der Erbe; lasst uns ihn töten, damit das Erbe unser sei!

 

15 Und sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun?

 

16 Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und seinen Weinberg andern geben. Als sie das hörten, sprachen sie: Nur das nicht!

 

17 Er aber sah sie an und sprach: Was bedeutet dann das, was geschrieben steht (Psalm 118,22): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden«?

 

18 Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen.

 

19 Und die Schriftgelehrten und Hohenpriester trachteten danach, Hand an ihn zu legen noch in derselben Stunde, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie hatten verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte.

 

 

 

 

 

Ein paar Gedanken:

 

Dieses Gleichnis von den bösen Weingärtnern gehört zu den wohl bekanntesten des neuen Testaments. Jedem, der es liest und die Geschichten der Bibel ein wenig kennt, weiß sofort, was und wer damit gemeint ist. Gott hat viele Propheten im Laufe seiner Geschichte mit den Menschen zu ihnen geschickt, wir kennen auch einige Namen von ihnen: Elia, Jesaja, Jeremia, Jona und viele mehr. Und wir kennen auch ihre Botschaft. Immer wieder mussten sie die Nachricht Gottes an sein Volk überbringen, dass sie nicht genug geliebt, nicht genug erbarmt, nicht genug geglaubt haben. Stattdessen haben sie die Gebote Gottes leichtfertig übertreten und haben ihrem eigenen Wollen und Vermögen mehr Platz eingeräumt als Gott und seinen Worten. Jahrhundertelang hat Gott alles versucht, ist immer wieder seinem Volk nachgegangen, auf es zu gegangen, hat sich erbarmen lassen, um dann doch wieder mit ansehen zu müssen, dass seine Liebe, sein Erbarmen, seine Gerechtigkeit und seine Gnade ausgenutzt wurde. Um dieses Ringen Gottes um sein Volk den Menschen nahe zu bringen, erzählt Jesus dieses Gleichnis und deutet schon sehr klar an, wie es mit ihm selbst, dem Sohn Gottes, weitergehen wird „…uns sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn…. Und wir können lesen, dass diejenigen sich sofort angesprochen fühlen, die in vorderster Reihe der Juden standen, die Schriftgelehrten und die Hohenpriester. Ich finde es bemerkenswert, dass Jesus ihnen hier eine klare Frage nach der Zukunft stellt. Seinen Worten klingt die Frage mit: Wollt ihr das wirklich? Wisst ihr, was ihr da tut? Seid ihr euch eures Tuns bewusst?

 

Anders kann man die plötzliche Reaktion der Schriftgelehrten und Hohenpriester nicht erklären. Sie haben verstanden und antworten sehr schnell: „Nur das nicht!“

 

Wie würden wir heute reagieren? Hätten wir die unterschwellige Frage verstanden? Fühlen wir uns angesprochen.

 

Zur Zeit hört man immer wieder einmal die Stimmen, die auch bei der Corona-Pandemie die Frage stellen: Wir haben doch lange damit gerechnet, dass es soweit kam. Warum habt ihr euch nicht darauf vorbereitet? Es gab doch die Zeichen der Zeit. Das musste doch so kommen! Selbst Wissenschaftler berichten, dass sie eine Ahnung hatten, dass man mit solch einem schweren Ausbruch rechnen musste, der das Leben auf den Kopf stellen würde.

 

Hinter all dem steht doch die grundsätzliche Frage, wie wir den wichtigen Momenten und Themen unseres Lebens gegenüberstehen. Wie gehen wir mit ihnen um? Wie die Schriftgelehrten und Pharisäer? Laut rufen: „nur das nicht“? Und dann doch zum Alltag zurückkehren und weitermachen wie bisher? Oder nehmen wir ernst, was vor unseren Augen passiert und denken nach, was es für unser Leben bedeutet. Wie es mein Verhalten sogar verändern kann zum Positiven. Das Kommen Jesu in unsere Welt hat, Gott sei Dank, viele Menschen damals wie heute dazu gebracht, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist im Leben: Glaube, Hoffnung, Liebe, Gnade, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

 

Damals wie heute sind dies die Grundpfeiler, um das Leben zu bestehen und es gut zu gestalten. In guten Zeiten, wie auch in schweren. Sie sind Gottes Angebot für unser Leben, durch das Leben und Sterben Jesu. Er ist der Eckstein, der unser Haus auch in der Corona-Krise nicht wanken lässt.

 

Bleiben Sie behütet und durch Jesus gestärkt!

 

 

 

Gebet:

 

Herr, wir vertrauen auf dich, du bist der Eckstein unseres Lebens.

 

Deine Liebe ist unser Maßstab, der Glaube an dich stärkt unsere Herzen,

 

die Hoffnung auf deine Barmherzigkeit und Gnade beflügelt uns im Hier und Jetzt.

 

Wir bitten dich für alle Menschen, die im Moment nicht wissen, auf was sie bauen können.

 

Wir bitten dich für alle, die das Gefühl haben, dass der Boden unter ihnen schwindet.

 

Wir bitten dich für alle, die nach einem Halt suchen

 

Lass dich finden, lass dich spüren, komm hinein in unser Leben und lehre uns dir zu vertrauen.

 

Wir bitten dich für alle, die nicht nur in dieser Zeit besonders ihre Kraft einsetzen, um anderen zu helfen. Sei es in den Krankenhäusern oder Altenheimen, sei es im öffentlichen Dienst, in den Supermärkten oder den Apotheken, sei es in den Betrieben oder wo auch immer man zum Wohl der Menschen arbeitet.

 

Schenke ihnen jeden Tag die Kraft und Energie, die Phantasie und Liebe, die sie brauchen.

 

Wir bitten dich für uns alle, dass wir die Gemeinschaft auch über unsichtbare Grenzen hinaus erleben. Lass uns spüren, dass du uns immer wieder im Herzen zusammenrufst und Gemeinschaft schenkst.

 

Sei bei uns. Wir vertrauen auf dich, dem Eckstein unseres Lebens.

 

Wir beten gemeinsam

 

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme, Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit In Ewigkeit. Amen

 

 

Gott segne Sie! Gott behüte Sie! Er lege auf Sie seinen Frieden! Amen!

 

 

 

 

 

 

 

Montag 6.4.2020

 

 

 

Wir versammeln uns im Herzen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

 

 

Psalm 69 i.A. (siehe Palmsonntag)

 

 

 

Lied 168

 

1. Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier.

 

Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier.

 

Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

 

Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

 

2. Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.

 

Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.

 

Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.

 

Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.

 

3. Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist.

 

Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist,

 

der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt,

 

der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

 

 

 

Gebet:

 

Herr, wir stehen vor dir mit unserem Gebet und bitten dich um deine Nähe. Komm in unsere Herzen und fülle sie mit deiner Liebe und dem Mut, der dem Leben traut. Komm zu uns und stärke uns. Amen

 

 

 

Lukasevangelium 19, 45-48

 

 

 

45 Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben,

 

46 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus sein«; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht.

 

47 Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, dass sie ihn umbrächten,

 

48 und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn das ganze Volk hing ihm an und hörte ihn.

 

 

 

Ein paar Gedanken:

 

 

 

Was für ein Gefühlsausbruch! Damit hat niemand gerechnet. Jesus, der eben noch so friedlich nach Jerusalem eingezogen ist, der noch geweint hat, als er die große Stadt sieht, dieser Jesus ist so voller Zorn, dass er die vielen Händler, die sich vor dem Tempel mit ihren Ständen eingerichtet haben, hinauswirft. Er bezichtigt sie sogar als Räuber, die den Tempel mit ihren Machenschaften entweiht haben. Klar und bestimmt tritt Jesus für den Tempel als Ort des Gebetes, der Nähe zu Gott ein. Darum soll es an diesem Ort gehen: um Nähe, um Spüren, dass Gott da ist mit seiner Liebe und Kraft, mit seiner Gemeinschaft spendenden, wohltuenden Verbundenheit zu seinen Menschen. Man spürt dieser Szene ab, wie geschockt Jesus sein muss, obwohl er dies doch sicher schon öfters hat beobachten können. Er ist doch mehrfach beim Tempel gewesen, warum also jetzt dieser emotionale Ausbruch. Der Tempel in Jerusalem galt als der Ort der religiösen Identität der Juden. Dort wohnte Gott, dort war er greifbar, dort konnte man sich ihm besonders nähern. Welche Wichtigkeit der Tempel für die Juden hatte, war spätestens 70 nach Christus deutlich, als er zerstört wurde. Bis heute wurde er nicht wieder aufgebaut, an der einzigen Außenmauer, die zum Teil stehen blieb, legen fromme Juden bis heute ihre Gebete und Klagen nieder. Darum hat sie auch den Namen Klagemauer bekommen. Diese Mauer steht für die große Sehnsucht nach dem alten Tempel, nach dem Ort des Heils. Mit seiner Zerstörung ist die heile Welt der Juden endgültig zerbrochen.

 

Ein wenig erinnern mich die Geschehnisse der letzten Monate an diese Szene damals. Da war auch viel von einer heilen Welt die Rede, die zerstört worden ist durch Menschenhand. Die Zukunft der ganzen Menschheit steht auf der Kippe, wenn wir nicht das Ruder herumreißen und die Bewahrung der Schöpfung endlich über das Ausbeuten der Natur stellen. Das Profitdenken, das immer mehr, immer höher, immer weiter, immer schneller geht auf Kosten unserer Erde. Wir graben uns mit diesem Denken das eigene Wasser ab, im wahrsten Sinn des Wortes. Wir haben die Mahnungen der Schüler, die jeden Freitag auf die Straße gingen, sicher noch im Ohr: „Wir haben keine Ersatz-Erde“, „Ihr zerstört unsere Zukunft“, „Wir haben Angst“.

 

Ja, uns sollten, wie bei Jesus damals, heute auch die Augen aufgehen, damit wir sehen, was wir aus dieser Welt, die Gott uns geschenkt hat, gemacht haben. Und auch wir sollten dazwischen gehen, damit nicht mehr das Geld regiert, sondern die Liebe zu Gottes Schöpfung, der Ort, wo wir seine Nähe spüren können, seine Handschrift lesen und in den vielen Details auch seinen Humor.

 

Wir sollten pfleglich mit dieser Erde umgehen, denn nur so haben wir Menschen eine Zukunft auf ihr. So  dramatisch und lebensfeindlich der aktuelle Corona-Virus auch ist, er hat uns gelehrt und gezeigt, wie gut und wohltuend ein „weniger“ der Umwelt tut. Der Smog in vielen Großstädten ist wie weggeblasen, Bäche und Flüsse sind durch weniger Einleitungen durch die Industrie wieder klarer und sauberer geworden und vieles mehr. Vielleicht sollten diese Erfahrungen uns Motivation sein, nach der Corona-Krise, einen Neuanfang mit Gottes Wohnhaus, unserer Erde, zu wagen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund

 

 

 

 

 

Gebet und Vaterunser (siehe Palmsonntag)

 

 

 

Lied 168,4-6

 

 

 

4. Wenn wir jetzt weitergehen, dann sind wir nicht allein.

 

Wenn wir jetzt weitergehen, dann sind wir nicht allein.

 

Der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein.

 

Der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein.

 

5. Wir nehmen seine Worte und Taten mit nach Haus.

 

Wir nehmen seine Worte und Taten mit nach Haus

 

und richten unser Leben nach seinem aus

 

und richten unser Leben nach seinem aus.

 

6. Er hat mit seinem Leben gezeigt, was Liebe ist.

 

Er hat mit seinem Leben gezeigt, was Liebe ist.

 

Bleib bei uns heut und morgen, Herr Jesu Christ.

 

Bleib bei uns heut und morgen, Herr Jesu Christ.

 

 

 

Segen

 

Keinen Tag soll es geben, wo du sagen musst: Niemand ist da, der mich hört.

 

Keinen Tag soll es geben, wo du sagen musst: Niemand ist da, der ein gutes Wort zu mir spricht

 

Keinen Tag soll es geben, wo du sagen musst: Niemand ist da, der mich stützt

 

Und: Keinen Anlass soll es geben, wo du sagen musst: Ich halte es nicht mehr aus!

 

 

 

Denn:

Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig

 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kreuzweg  2020

 

 

Aktuell

 

Pfarrerin unserer Gemeinde ist Frau Birgit Knöbel-de Felice

Sie ist erreichbar unter

0151-22606240, per Mail bkdf@gmx.de und jeden Donnerstag vormittag von 10:00 Uhr - 12:00 Uhr im Gemeindebüro.

 

 

 

2. Vorsitzender im Kirchenvorstand

Klaus Jürgen Daniel

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